Biographie Rudolf Hilferding (1877-1941)

aus: Finanzkapital und Finanzsysteme, „Das Finanzkapital“ von Rudolf Hilferding, Beiträge zur Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie, Band 40, 2., überarbeitete Auflage, Marburg: metropolis, 2018

Die Zeit in Wien

Rudolf Hilferding wurde am 11. August 1877 als älteres von zwei Kindern in Wien geboren. Seine Eltern, der jüdische Hauptkassierer einer Versicherungsgesellschaft Emil Hilferding und seiner Frau Anna, geb. Liß,[1] gehörten der gehobenen Mittelschicht an.[2] Emil Hilferding war mit seinen Eltern aus Galizien nach Wien gekommen, wo der Großvater Rudolfs, Israel Hilferding, 1876 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt.[3]

Das Wien dieser Zeit war eine Stadt mit lebhafter, vielfach von Juden geprägter kultureller Blüte. Es war aber auch der Ort ausgeprägten Antisemitismus, einer mit dem Judentum eng verzahnten Sozialdemokratie und heftigen Auseinandersetzungen an der Wiener Universität zwischen den politischen und ethnischen Gruppierungen. Hier spiegelten sich die Konflikte des Vielvölkerreiches der Habsburger mit seinem funktionsunfähigen Parlamentarismus.[4] „Denn die Fragen, um die in Österreich gerungen wurde, waren nicht etwa in den anderen Staaten bereits überwunden worden, sondern dort noch gar nicht zur Reife gekommen. Der Nationalismus, der politische Antisemitismus, ja selbst der Kommunismus waren schon zu Kampfrufen geworden (…). In der Mitte einer höchst entwickelten und raffinierten Kultur tobte er [der Kampf] mit wildem und nie unterbrochenem Getöse. (…) Wir [die intellektuelle Jugend Wiens] standen an einer Zeitenwende und fühlten es durch und durch.“[5] Die Wiener Universität beschreibt Somary als einen Kampfplatz, dessen Freiheit jedoch geachtet wurde.[6]

Hilferding besuchte als unauffälliger Schüler das Staatsgymnasium im II. Wiener Bezirk, in dem die meisten Juden Wiens wohnten[7], und war dort umgeben vom aufgeklärten und liberalen jüdischen Bürgertum, das Anschluss an die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialistischen Bewegungen suchte.[8] Die radikale Emanzipationstheorie des Marxismus lockte die noch in ihren Aktivitäten eingeschränkten Juden an.[9] Am 21. September 1894 schloss Hilferding das Gymnasium ab. Bereits im Frühjahr 1893, also mit 15 Jahren, war er einer sozialistischen Zelle beigetreten, die am besten als sozialistischer Studentenbund zu beschreiben ist. Karl Renner[10], der zusammen mit Julius Sesser als Kopf der Gruppe fungierte, veröffentlichte bereits seit 1892 in der „Arbeiter-Zeitung“ Artikel und leitete die anderen Mitglieder in ihren marxistischen Studien an.[11] 1895 entstand daraus unter Erweiterung um weitere Gruppen die „Freie Vereinigung sozialistischer Studenten“, deren Vorsitz zunächst Max Adler[12]übernahm. 1899 wurde Hilferding deren Vorsitzender.[13]

In dieser Zeit entwickelten sich intensive Kontakte zwischen Karl Renner, Max Adler, Otto Bauer[14] und Rudolf Hilferding, durch die Hilferding Zugang zu den Gedanken von Karl Marx und Immanuel Kant erhielt. Renner hörte zu dieser Zeit an der Wiener Universität bei Karl Menger und Eugen von Philippovich, sodass Hilferding sowohl die neue Grenznutzenschule Mengers, die an der deutschen historischen Schule orientierte Theorie Philippovichs und die Arbeitswertlehre von Karl Marx kennenlernte.[15]

Zum Wintersemester 1894/95, wie viele andere Juden zu dieser Zeit, schrieb sich Hilferding an der Wiener Universität für Medizin ein. Mit dem Sommersemester 1899 schloss er seine Studien ab und war zum 27.März 1901 promovierter Mediziner. Danach praktizierte Hilferding als Arzt, wobei ihn seine Erfahrungen in den Elendsquartieren von Wien als Sozialisten prägten.[16] 1904 konnte er schließlich alle benötigten Voraussetzungen zur Eröffnung einer eigenen Praxis erfüllen.[17]

Im Wintersemester 1894/95 besuchte Hilferding die „social-statistische Übung“ bei Prof. Linger und im Sommersemester 1895 die volkswirtschaftliche Übung bei Prof. Philippovich. Zudem besuchte er Vorlesungen von Carl Grünberg[18] und Friedrich von Wieser[19], ohne offiziell inskribiert zu sein.[20]Grünberg, der einzige Marxist an der Wiener Universität zu jener Zeit[21], betrachtete die Marxsche Theorie nicht als Dogma, sondern als Methode.[22]

Die erste Veröffentlichung von Hilferding erfolgte 1899 über die österreichische Arbeitsinspektion in der französischen Zeitung „Le mouvement socialiste“, in der viele international angesehene Sozialisten veröffentlichten.[23] 1903 publizierte Hilferding in der Zeitschrift der österreichischen Volkswirte eine Rezension zu Werner Sombarts „Der Moderne Kapitalismus“[24], die bis heute als ein wichtiger Beitrag gilt.[25] Im gleichen Jahr schrieb Hilferding einen ersten Artikel über Schutzzölle und Kartelle am Beispiel der Zuckerindustrie, wobei seine Theorie noch nicht voll ausgeprägt ist.[26] Insgesamt kritisiert Hilferding in dieser Zeit die der kolonialen Expansion positiver gegenüberstehende revisionistische Position.[27]

1896 hatte Böhm-Bawerk[28] seine Schrift „Zum Abschluß des Marxschen Systems“ veröffentlicht, in der er die Theorien von Marx kritisierte und insbesondere auf das Transformationsproblem hinwies, da im dritten Band des „Kapitals“ (1894) nicht die zuvor von Engels angekündigte ausreichende Erklärung dafür geliefert werden konnte. Hilferding verfasste spätestens bis 1902 seine Gegenkritik „Böhm-Bawerks Marx-Kritik“ und sandte sie am 23. April des Jahres an Karl Kautsky mit der Bitte um Veröffentlichung des Manuskripts, was dieser jedoch ablehnte.[29] Kautsky begründete seine Entscheidung damit, dass die Schrift zu lang sei.[30]Dennoch bestärkte Kautsky Hilferding in seinen marxistischen Studien, sodass dieser weiter daran arbeitete. In seinem Antwortschreiben vom 21. Mai umriss Hilferding sogar schon seine weiteren Forschungsaktivitäten hinsichtlich der „neuen Erscheinungen“ im Bereich der kapitalistischen Konkurrenz.[31]

Zu dieser Zeit entstand das lange und intensive Verhältnis zwischen Hilferding und seinem älteren Mentor Kautsky. Dieser forderte ihn auf, für „Die Neue Zeit“ [32], deren Herausgeber Kautsky war, regelmäßig zu schreiben. Seinen ersten Artikel in der Zeitschrift schrieb Hilferding 1903 zur Werttheorie und dann, im selben Jahr, zum Funktionswechsel des Schutzzolls.[33] Damit bezog er sich auf die laufenden Diskussionen zwischen Revisionisten und Orthodoxen, die auch in diesem Feld stattfanden.[34]

Seinen ersten großen Auftritt in der „Neuen Zeit“ hatte Hilferding im Oktober 1903, als er die Diskussion in Deutschland um den Generalstreik[35] (als Reaktion auf den Generalstreik von 1902 in Belgien) mit seinem Artikel „Zur Frage des Generalstreiks“ eröffnen durfte.[36] Dabei handelte es sich um die Wiederaufnahme einer Diskussion, die bereits 1893 schon einmal in der „Neuen Zeit“ geführt worden war.[37]

War der Generalstreik seit dem Erfurter Programm 1891 von der SPD bisher immer abgelehnt worden, profilierte sich Hilferding hier auf der Seite der orthodoxen Marxisten gegen die Revisionisten und Gewerkschafter, indem er unter bestimmten Umständen – nämlich der drohenden Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts – für den politischen Massenstreik eintrat.[38]

Nur durch das allgemeine Wahlrecht wird dem Proletariat ein stetiger und friedlicher Übergang zur Macht ermöglicht. Durch die Wahl von Sozialdemokraten werden die Herrschenden zu Konzessionen gezwungen. „Das allgemeine gleiche Wahlrecht muß unerschütterlich gesichert sein gegen jeden Angriff, seine Eroberung ist wichtigstes Ziel und Vorbedingung des weiteren Fortschritts. Nur auf dem Boden des Parlamentes ist es stets möglich, die wirtschaftliche Macht des Proletariats in politischen Einfluß umzusetzen.“[39]

Als Basis der parlamentarischen Taktik muss das Wahlrecht geschützt werden, indem die wirtschaftliche Macht des Proletariats, also die Unentbehrlichkeit in der Produktion, eingesetzt wird. „Denn Stillsetzung der Produktion ist das einzige entscheidende Zwangsmittel, das dem Proletariat gegenüber der Zwangsgewalt des Staates zu Gebote steht (…). Soll die parlamentarische Taktik, welche uns bisher von Erfolg zu Erfolg geführt hat, nicht plötzlich einmal von unseren Gegnern uns unmöglich gemacht werden, so muß das Proletariat bereit sein, das allgemeine Wahlrecht mit dem letzten Mittel zu verteidigen das ihm zu Gebote steht. Hinter dem allgemeinen Wahlrecht muß stehen der Wille zum Generalstreik.“[40]

Der Generalstreik ist damit kein gewöhnliches Kampfmittel, sondern er soll die parlamentarische Taktik ermöglichen und abschreckend wirken gegen die Versuche der Einschränkung des Wahlrechts. „Er ist kein Mittel, pseudorevolutionäre Putsche herbeizuführen, die in letzter Instanz die konter-revolutionäre Gewalt verstärken. Er ist vielmehr das Mittel, eine ununterbrochene Weiterentwicklung zu sichern, den Vormarsch des Proletariats vor gewaltsamen Störungen womöglich zu bewahren. (…) Er ist ein Mittel für einen begrenzten Zweck: die Grundlage zu erobern oder zu sichern, auf der eine stetige, konsequente, aber energische und erfolgreiche proletarische Aktion möglich ist. Was die Barrikade und die Steuerverweigerung für das Bürgertum waren, das ist der Generalstreik für die Arbeiterschaft. Die ultima ratio, wenn alle anderen Mittel erschöpft sind.“[41] Hilferding schreibt dem Generalstreik also auch eine präventive Funktion zu.

Zwar verbindet Hilferding hier den ökonomischen Kampf mit politischen Zielen, grenzt aber diesen Kampf gleichzeitig so stark ein – nämlich als Sicherung der Möglichkeit zum parlamentarischen Handeln -, dass er sich in das parlamentarische Vorgehen seit 1891 gut einfügt und somit kein revolutionärer Akt ist. „Der Generalstreik hat (…) nur dies beschränkte Geltungsgebiet, die parlamentarische Taktik zu ermöglichen od(er) sie zu erhalten.“[42]

Am Ende der innerparteilichen Diskussion erfolgte auf dieser Linie der Beschluss des Jenaer Jahreskongresses von 1905 als Kompromiss zwischen den Reformern und Orthodoxen über diese Frage.[43] Damit wurde in der Retrospektive Hilferdings Beitrag zur Diskussion auch deren wichtigster.[44]

Hilferdings späte Wiener Zeit war durch eine intensive Beschäftigung in der sozialistischen Bewegung geprägt. 1903 gründeten Rudolf Hilferding, Max Adler und Karl Renner den Verein „Zukunft“, der bald darauf die erste Wiener Arbeiterschule einrichtete.[45] In diese Zeit fällt ebenfalls der Aufenthalt Leo Trotzkys in Wien, mit dem er sich anfreundete und einen längeren Briefkontakt aufrechterhielt.[46] Hilferding entwickelte sich zu einem Mittler zwischen den russischen Exilanten und der „Neuen Zeit“[47], was auch der Beginn seiner lebenslangen Verbindungen zu russischen Sozialisten war.[48]

Obwohl Hilferding einer jüdischen Familie entstammte, praktizierte er seinen Glauben nicht und thematisierte es in seinem Schriften auch nie. Am 16. März 1904 trat Hilferding aus der israelitischen Kultusgemeinde aus und verstand sich fortan als Atheist.[49] Er und seine ebenfalls jüdisch-stämmige Frau, Margarethe Hönigsberg[50], gaben sich bei ihrer Hochzeit am 9. Mai 1904 als konfessionslos an.[51]

Margarethe war sechs Jahre älter als Rudolf Hilferding und hatte mit 27 Jahren Matura gemacht, bevor sie nach fünf Semestern an der philosophischen Fakultät schließlich ebenfalls an die medizinische Fakultät wechselte (1900/01). Sie kam aus einfachen Verhältnissen und für sie als Frau war es schwer, an der Wiener Universität zu studieren. Die beiden lernten sich vermutlich im sozialistischen Studentenbund kennen, da Margarethe neben ihren literarischen Interessen auch von den sozialistischen Ideen angetan war. Als dritte Frau an der Wiener Universität überhaupt und als erste im medizinischen Bereich wurde sie 1903 promoviert und war nach der Hochzeit gemeinsam mit Rudolf als praktische Ärztin tätig.[52]

Am 12. September 1905 wurde der erste Sohn, Karl (nach Karl Marx) Emil geboren.[53]

Die Ablehnung seiner Schrift „Böhm-Bawerks Marx-Kritik“ wegen Platzmangels in der „Neuen Zeit“ war eine wichtige Motivation für Hilferding, um zusammen mit Max Adler die Reihe der „Marx-Studien“ im Jahr 1904 zu eröffnen. Diese sollten einen Raum für Schriften mittlerer Größe schaffen, die das Ziel der Weiterentwicklung des Marxismus hatten. Hilferdings Schrift „Böhm-Bawerks Marx-Kritik“ erschien gleich zu Beginn des ersten Bandes der Marx-Studien.

Besonders Hilferding war erpicht darauf, ein wohlwollendes Urteil über die Marx-Studien von Kautsky zu erhalten, was ihm wohl verwehrt geblieben ist.[54] Jedoch schrieb Kautsky bereits 1904 an Victor Adler, dass er einen Nachfolger als Herausgeber der „Neuen Zeit“ suche und sie tauschten sich deswegen auch über Hilferding aus.[55]

Hilferding gab die Marx-Studien von 1904 bis 1923 heraus, also noch vor dem Seminar bei Böhm-Bawerk (s.u.) und auch nachdem er schon Finanzminister gewesen war. Dass die Regelmäßigkeit der Erscheinungen der Marx-Studien schwankte (1904, 1907, 1910, 1918, 1922, 1923) lag sicher auch daran, dass Hilferding zunehmend in anderen Publikationen Raum für Veröffentlichungen hatte.

Durch viele Bezugnahmen ist das Privatseminar[56] von Böhm-Bawerk im Sommersemester 1905 zu großer Bekanntheit gelangt.[57] Neben Hilferding gab es viele andere Teilnehmer, die bis heute bekannt sind. Dies waren Joseph Schumpeter, Otto Bauer, Emil Lederer, Ludwig von Mises[58], Felix Somary[59], Karl Pribram und Otto Neurath.[60] Das Seminar bot Raum für einen offenen und intensiven Austausch der verschiedenen Strömungen der Ökonomie jener Tage, in dem Hilferding als Vertreter der marxistischen Richtung agierte.

Die Zeit nach seinem Studium und vor seinem Wegzug nach Berlin war davon geprägt, dass er sich als Arzt seinen Lebensunterhalt verdienen musste, um parallel an seinen marxistischen Studien weiterarbeiten zu können.[61]

Die Berliner Zeit bis 1914

Im Oktober oder November 1906 ging Hilferding auf Wunsch des Parteivorstandes der SPD, insbesondere von August Bebel und Karl Kautsky, als einer von zwei festangestellten Lehrern an die gerade gegründete Parteischule der SPD in Berlin. Sein Gehalt konnte er zusätzlich durch die Mitarbeit in der „Neuen Zeit“ aufbessern.[62] Wie Kautsky verließ er also Wien in jungen Jahren, um in Berlin für die SPD zu arbeiten. Das Ziel der Schule war die theoretische und praktische Ausbildung der wachsenden Anzahl von Funktionären in halbjährigen Kursen. Hilferding war für das Wissensgebiet „Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie“ zuständig, wobei neben dem Studium des „Kapitals“ die Vermittlung des wissenschaftlichen Sozialismus im Mittelpunkt stand. Mit zirka 200 Unterrichtsstunden und weiteren Beaufsichtigungen lag Hilferding weit über dem Lehrdeputat des zweiten festangestellten Lehrers, Obmann Heinrich Schulz, mit lediglich 75 Stunden.[63] Somit war Hilferding vermutlich nur wenig in Leitungs- und Organisationsfragen eingebunden und hatte gleichzeitig wenig Zeit, seine eigenen Studien weiter zu betreiben.

Mitte 1907 war Hilferding von der Ausweisung aus Preußen bedroht, da er sich durch die Lehrtätigkeit an der Parteischule missliebig gemacht hatte. Die preußischen Behörden unterstellten, dass es sich nicht um eine Lehrtätigkeit, sondern um Agitation handele.[64] Hilferding konnte seine Tätigkeit damit nicht mehr ausführen und wurde im Oktober 1907 durch Rosa Luxemburg ersetzt, die sich schon vorher für eine Lehrtätigkeit interessiert hatte. Somit hatte Hilferding also nur einen Halbjahreskurs begleitet[65]; ähnlich ging es 1912 Heinrich Cunow.[66] Mit Rosa Luxemburg behielten die Orthodoxen den Lehrkörper der Schule, trotz Protesten der Reformer, auf ihrer Seite.[67]

Dennoch ging Hilferding nicht nach Wien zurück, sondern arbeitete weiter für „Die Neue Zeit“ und zusätzlich als Redakteur für die Außenpolitik im „Vorwärts“.[68] Sein Eintritt in die Redaktion erfolgte unmittelbar, nachdem in einem Konflikt mit der Parteileitung die Redaktion um Kurt Eisner wegen ihrer Verteidigung des Revisionismus zurückgetreten war und eine neue Redaktion um Hans Block gebildet wurde. Hilferding konnte sich dort schnell entwickeln und wurde später selbst Chefredakteur.[69]

Hilferding veröffentlichte in der Zeit ab 1907 eine Reihe von Artikeln in der „Neuen Zeit“ über außenpolitische Themen. Darin negierte er 1907 zunächst einen Imperialismus Deutschlands, während er dann 1909 eine durch den Imperialismus steigende Kriegsgefahr erkennen konnte.[70] Diese Gedanken fanden Eingang in das „Finanzkapital“.

Die zunehmende Spaltung der SPD nach 1907 betraf nicht nur die Diskussion um den Massenstreik, sondern auch andere Aspekte wie die Frage nach der Außenpolitik und dem Kolonialismus[71], sowie viele Themen der Parteiorganisation[72]. Mit der zunehmenden Radikalisierung der Linken und angesichts der Stärkung der Revisionisten wurden die orthodoxen Marxisten um Kautsky von den Radikalen zu den Zentristen der Partei. Das wirkte sich auch für Hilferding aus: Offiziell gehörte er immer zu den Linken und verkehrte noch 1907 mit Trotzky und dem linken Kreis um Franz Mehring. Jedoch hatten sich Rosa Luxemburg und er bereits voneinander entfernt, was durch die Auseinandersetzung zwischen Kautsky und Luxemburg gefördert, wenn nicht bestimmt wurde.[73] Zum Bruch kam es dann 1910 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen das preußische Drei-Klassen-Wahlrecht, bei dem sich die radikale Linke von dem Kreis um Kautsky trennte.[74] In dieser Phase kann Hilferding bereits als der engste Vertraute von Kautsky angesehen werden[75], der sich in den Diskussionen immer an seiner Seite befand.[76] 1912 reorganisierte Kautsky „Die Neue Zeit“ und Franz Mehring verlor den wichtigen Posten als Leitartikel-Schreiber, nachdem er zuvor den Parteivorstand wegen Wahlbündnissen der SPD mit bürgerlichen Parteien bei der Reichstagswahl von 1911 kritisiert hatte.[77] Neben dem Bruch mit Luxemburg rückte dies Hilferding zunehmend in die Position des potenziellen Nachfolgers von Kautsky als Leiter der theoretischen Zeitschrift der SPD.

1910 wurde „Das Finanzkapital“ veröffentlicht. Hilferding arbeitete schon deutlich länger daran. Der Beginn der Arbeiten an „Das Finanzkapital“ kann in das Jahr 1902 gelegt werden. In einem Brief an Kautsky schrieb Hilferding 1902 über sein Ziel mit dem „Finanzkapital“: „Man braucht nur den Beweis von der historischen Nothwendigkeit des Kapitalismus in den Vordergrund zu stellen, das Endziel als selbstthätig aus der steilen Entwicklung des Kapitalismus in später Zeit automatisch eintretend sich vorzustellen, den bewussten Klassenkampf als störendes Moment darzustellen.“[78] Den Begriff „Finanzkapital“ verwandte Hilferding 1903 noch nicht. Stattdessen sprach er von „Staatskapitalismus“.[79]

Als einen ersten Schritt verfasste Hilferding den Artikel über den „Funktionswechsel des Schutzzolls“, der in der „Neuen Zeit“ veröffentlicht wurde.[80] Hier entwickelte Hilferding bereits den Kern der Zollanalyse vom „Finanzkapital“, indem er die Veränderung des Erziehungszolls zum Schutzzoll deklarierte.[81] Angesichts der österreichischen Zeitungen, die im „Finanzkapital“ zitiert werden, und nach seinen eigenen Ausführungen im Vorwort arbeitete er in dieser Phase am „Finanzkapital“[82] und beklagte sich über die geringe Zeit, die er dafür hatte.[83]

Spätestens 1905 schloss Hilferdings seine Vorarbeiten ab und nahm endgültig die Arbeit am „Finanzkapital“, das dann auch schon seinen Namen hatte, auf.[84] So schreibt er am 27. Mai 1905 an Kautsky: „Ich möchte jetzt mein Finanzkapital, von dem immer noch nicht mehr da ist als der Titel, endlich in Angriff nehmen.“[85] Am 18.12.1905 dann: „Ich habe außerdem mein Finanzkapital, das langsam genug sich vermehrt, weit langsamer als es sollte.“[86]

Am 10.03.1906 schrieb Hilferding: „Ich habe das I. Kapitel über Geld im wesentlichen fertig u[nd] werde jetzt an das II. gehen, die Rolle des Geldes im Kreislaufprozess des Kapitals; daraus ist dann die Entstehung u[nd] Notwendigkeit des Kredits zu entwickeln. Das Langweilige ist nur, dass ein großer Theil der Darstellung der Reproduktion des II. u[nd] III. Bandes des Kapitals gewidmet sein muß u[nd] solche reproduktive Arbeit ist mühselig u[nd] uninteressant.“[87]

Während seiner Zeit an der Parteischule und als Redakteur konnte Hilferding in Berlin mit leichterem Zugang zur Literatur und mit den aktuellen Erkenntnissen aus der redaktionellen Arbeit seine Studien fortsetzten.[88] Im Vorwort des „Finanzkapitals“ schrieb Hilferding später, dass dieses in den Grundzügen schon 1906 abgeschlossen gewesen sei.[89] Dies lässt sich anhand der verwendeten Quellen nachvollziehen, da die nach 1906 veröffentlichten und im „Finanzkapital“ verwendeten Quellen nur ergänzenden und veranschaulichenden Charakter haben.[90] Die Hauptphase, in der „Das Finanzkapital“ verfasst wurde, muss also im Jahr 1905 gelegen haben.

Zur Zeit des Kriegsbeginns 1914 war Hilferding auf Urlaubsreise in Österreich[91] und konnte nur mit Mühe wieder nach Deutschland einreisen. Von Anfang an war er gegen die Bewilligung der Kriegskredite[92]: Mit der „Vorwärts“-Redaktion veröffentlichte Hilferding (zusammen mit Cunow, Däumig, Ströbel, etc.) am 4. August eine Erklärung an den Parteivorstand, in der es heißt, dass die Begründung der Fraktionsmehrheit für die Bewilligung der Kriegskredite jeder weiteren Bewilligung Tür und Tor öffne und dass die Zustimmung ein schwerer Schlag für die Internationale sei.[93] „Mit der Bewilligung der Kriegskredite [übernimmt] die deutsche Sozialdemokratie trotz der Ablehnung solcher Folgen in der Fraktionserklärung eine gewisse Verantwortlichkeit für den Krieg und die sich daraus ergebenden Folgen (…); eine Verantwortlichkeit, die sich in Zukunft schwer rächen kann.“[94] Jedoch wurde der Aufruf während des Krieges nicht veröffentlicht.[95] Bis zur Einberufung zum österreichischen Militär 1915 blieb Hilferding in Berlin[96] und wendete sich im selben Jahr noch gegen die Naumannsche Vorstellung eines deutsch-dominierten Mitteleuropa.[97]

Kriegszeit und Revolution

Hilferding äußerte sich nach dem unveröffentlichten Aufruf vom 04.08.1914 nicht öffentlich gegen die Kriegskreditbewilligung und musste mit dem „Vorwärts“ eine Strategie verfolgen, die nicht zur Zensur des Blattes führen würde. Im Januar 1915 musste er sich vor dem Parteiausschuss dafür rechtfertigen, dass er auch als Ausländer dazu geeignet sei, den „Vorwärts“ zu leiten. Danach wurde er vom österreichischen Militär eingezogen und arbeitete bis 1916 in Seuchenkrankenhäusern, ehe er 1916 nach Steinach in Tirol versetzt wurde. [98]

Hilferdings Frau Margarethe durfte als Ausländerin in Deutschland schon vor dem Krieg nicht als Ärztin tätig sein[99] und ging deshalb zwischen 1908 und 1910 zurück nach Wien, wo sie 1911 im Verzeichnis der Wiener Ärzte gelistet war. Als Hilferding dann 1915 von der Habsburger Armee eingezogen wurde, wohnte er bei ihr, bis er an die italienische Front versetzt wurde.[100]

Der Krieg veränderte wieder die Situation in der Partei: Die Zentristen, die gegen die Revisionisten gekämpft hatten, kamen den Linken, welche sich in der Massenstreikdebatte zusammengefunden hatten, wieder näher und auch Eduard Bernstein stand in der Kriegsfrage auf Seiten der Zentristen. Diese Koalition aus Radikalen, Zentristen und einzelnen Kriegsgegnern der Revisionisten entwickelte sich zum Kern der USPD, auch wenn sich zunächst noch alle – bis auf Karl Liebknecht ab Dezember 1914 – an die Fraktionsdisziplin hielten.[101] Hilferding stand als Zentrist auch weiterhin Kautsky nahe.

1917 wurde die USPD, nach langen Diskussionen und informellen Arbeitsgruppen, aus dieser heterogenen und vor allem durch die Kriegsopposition zusammengehaltenen Gruppe gegründet.[102] Daran war Hilferding noch nicht beteiligt, da er sich zu dieser Zeit noch zum Militärdienst in Österreich befand. Jedoch hatte er bereits 1916 seine Hoffnung aufgegeben, dass die innerparteiliche Kritik den Kurs der Partei ändern könnte.[103] Mit der Gründung der USPD verlor Kautsky seine Rolle als Herausgeber der „Neuen Zeit“ und wurde durch Heinrich Cunow ersetzt, unter dem die Zeitschrift an Bedeutung verlor und 1923 schließlich eingestellt wurde.[104] Kautsky empfand seine Entlassung als ein „meuchlings entfernen“.[105]

Hilferding sollte Chefredakteur der neuen USPD-Parteizeitung „Die Freiheit“ werden.[106] Die Zeitung startete am 15. November, etwa eine Woche später traf Hilferding in Berlin ein und übernahm die Leitung.[107] 1920 wurde Hilferding preußischer Staatsbürger.[108]

Auf dem „Allgemeinen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte“ vom 16. bis zum 21. Dezember 1918 hielt Hilferding unter dem Titel „Sozialisierung des Wirtschaftslebens“ am 18.12. eine Rede über die Frage der Sozialisierung. Hilferding bremste alle kurzfristigen Sozialisierungswünsche wegen der schwierigen Lage. „Die Sozialisierung wird sich dagegen auf alle Gebiete erstrecken müssen, wo bereits durch die kapitalistische Konzentration, durch Kartelle und Trusts der organisierten sozialistischen Wirtschaft vorgearbeitet ist.“[109]

Zudem lehnte Hilferding genossenschaftliche Strukturen ab und wollte die organisierte Großindustrie als Ganzes „allmählich in die Verfügungsgewalt der Gemeinschaft“[110] überführen. Die Branchen müssten für die Sozialisierung aber „reif genug“ sein, was für Hilferding hieß, dass Massenprodukte in großer Regelmäßigkeit und bei hoher Konzentration unter den Anbietern hergestellt werden. Zudem sollten es Güter von hoher ökonomischer Bedeutung sein. „Die Verbindung zwischen industriellem Kapital und Bankkapital, die sich in Deutschland immer enger gestaltet hat, die erst bewirkt hat, daß in einer Anzahl von Großbanken alle Fäden der ökonomischen Herrschaft zusammenlaufen, diese Verbindung wird dadurch gelöst, die Macht der Großbanken über die Industrie wird auf diese Weise in einem hohen Grade erschüttert. Wir treffen mit der Übernahme von Kohle und Eisen und eines Teils der schweren Industrie nicht nur die Macht des industriellen Kapitalismus, sondern auch die Macht des Bankkapitalismus.“[111] Wegen der besonderen Situation war die Kreditversorgung der Wirtschaft sehr wichtig, sodass Hilferding entgegen seinen Ausführungen im „Finanzkapital“ davon abriet, sofort die Banken zu sozialisieren. Für die Sozialisierungen sollte der Kapitalist entschädigt werden. Sodann wies Hilferding darauf hin, dass der Übergang aus dem Kapitalismus in den Sozialismus lange dauern könne: „Trotzdem ist es ganz klar, daß die sozialistische Gesellschaft nur errichtet werden kann in einem organischen Aufbau, der verhältnismäßig geraumer Zeit bedarf.“[112] Der Rätekongreß gab sich damit zufrieden und beauftragt eine Expertenkommission damit, herauszufinden, welche Betriebe zur Sozialisierung ‚reif’ seien.[113]

Hilferding wurde Mitglied der bereits im November 1918 ins Leben gerufenen elfköpfigen Sozialisierungskommission. Unter dem Vorsitz von Kautsky tagten die Vertreter der SPD, der USPD und unabhängige Fachleute. Mit dabei waren Heinrich Cunow und Emil Lederer[114], sowie Joseph Schumpeter, den Hilferding in diesem Gremium als sehr radikal wahrnahm.[115] Bis Februar 1919 wurde ein Mehrheits- und ein Minderheitsgutachten verabschiedet. Hilferding vertrat mit dem Mehrheitsgutachten die Position, dass es keine Rückkehr zur vorherigen Form des Kapitalismus geben dürfe. Ebenso könne es keine totale Umstellung auf einen Staatskapitalismus geben. Es sollten bestimmte Sektoren sozialisiert und demokratische Elemente in die Wirtschaft eingeführt werden.[116] Die Vorschläge der Kommission wurden von der Regierung jedoch nicht ernsthaft erwogen, sodass die Kommission ihre Arbeit im April 1919 einstellte.[117]

Nach dem Kapp-Putsch wurde auf Druck der Arbeiterschaft von der Regierung am 15. Mai 1920 eine zweite Sozialisierungskommission einberufen. „Der Elan der Sozialisierungskommission wurde nicht nur vom Machtverlust der Sozialdemokraten, sondern noch entscheidender vom Verfall der Währung gebrochen. (…) So wurde in den Beratungen der Kommission, die immer stärker den Charakter einer Enquetekommission annahm, schließlich vorrangig das Problem behandelt, wie die Währung saniert und zugleich die Reparationsleistungen aufgebracht werden können.“[118]

„Die zweite Sozialisierungskommission ist von der Uneinigkeit zwischen Hilferding und Rathenau bestimmt. Rathenau ist für den Verbleib des Unternehmertums in den Betrieben, Hilferding hingegen lehnt ‚Selbstverwaltung der Industrie’ und die paritätische Vertretung von Arbeitern und Unternehmern mittlerweile strikt ab.“[119] Walther Rathenau wollte den Kohlebergbau nur über 30 Jahre gestreckt enteignen und entschädigen, während Hilferding erneut für eine Vollsozialisierung des Kohlebergbaus, als Einstieg bei einer Schlüsselindustrie, eintrat. Während Hilferding eine demokratische Steuerung des Kohlebergbaus durch einen Kohlenrat für möglich hielt hielt Rathenau diese Vorstellung für nicht realisierbar. Beide Vorschläge im Bericht der Kommission vom 31. Juli 1920 wurden nicht weiter berücksichtigt.[120]

In der USPD stand sehr bald die Frage hinsichtlich des Anschlusses an eine Internationale an. Bei den Beratungen der Zweiten Internationalen Anfang August 1919 vertraten Rudolf Hilferding und Arthur Crispien die USPD und grenzten sich deutlich gegen die MSPD ab, sodass an eine Vereinigung zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken war.[121] Schon im April 1919 hatte Wladimir Lenin Hilferding in der Prawda einen bankrotten ideologischen Führer der Zweiten Internationalen genannt, weil er sich nicht für ein revolutionäres Rätesystem ausgesprochen hatte.[122]

Es folgte jedoch eine innerparteiliche Auseinandersetzung, deren Heftigkeit Kautsky zum Ausscheiden aus der Tagespolitik bewog. Hilferding hingegen wehrte sich gegen die Tendenzen, sich der Dritten Internationalen in Moskau anzuschließen. Dies begann auf der Reichskonferenz der USPD am 9. und 10. September 1919 in Berlin, bei der sich Hilferding gegen politischen Terror und eine Unterordnung unter die Bolschewiki wendete.[123] Beim folgenden außerordentlichen Reichsparteitag am 30. November 1919 konnte Hilferdings Theorie des Finanzkapitals Teil eines die Flügel kurzfristig verbindenden Programmes werden[124], welches also zu diesem Zeitpunkt noch in weiter links stehenden Kreisen Akzeptanz fand. Doch der Bruch über die Frage der Internationalen war nicht aufzuhalten. Hilferding lehnte auf dem gleichen Parteitag die Dritte Internationale deutlich ab. Gleichzeitig war die Zweite Internationale, angesichts ihrer reformistischen Ausrichtung und ihres Scheiterns an den nationalen Handlungen der Mitgliedsparteien 1914, keine Alternative. Während Hilferdings Vortrag zur Kenntnis genommen wurde, war das Gegenreferat von Walter Stoecker, der der Dritten Internationalen beitreten wollte, mit langem und stürmischem Applaus entgegengenommen worden. Durch den vagen Kompromissbeschluss konnte eine Spaltung verschoben werden.[125]

Im Oktober 1920 zerbrach die USPD endgültig, nachdem die Dritte Internationale 21 Bedingungen formuliert hatte, damit die USPD beitreten könne. Diese umfassten unter anderem den Ausschluss aller gemäßigten Vertreter in der Partei. Auf dem folgenden Parteitag 1920 in Halle kam es wegen dieser Fragen zu einem Rededuell zwischen dem russischen Vertreter der Dritten Internationale, Grigori Sinowjew, und Hilferding. Die Abstimmung führte zu einer Mehrheit für den Beitritt. Daraufhin verließen deren Anhänger den Saal, um sich als „unverfälschte“ USPD neu zu konstituieren und den Anschluss an die KPD vorzubereiten. Die Rest-USPD verblieb orientierungslos.[126]

Der Versuch, eine „Zweieinhalbte“ Internationale in Form einer „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien“ mit Parteien zu gründen, die ebenfalls bei den beiden existierenden Formen nicht teilnehmen wollten, trat zwar im Februar 1921 in Wien zusammen, konnte sich jedoch nicht etablieren. Hilferding erregte hier Proteste, da er auch unter anderen Bedingungen einen Anschluss an die Dritte Internationale kategorisch ausschloss.[127]

Spätestens seit dem Parteitag in Halle wuchs die Zahl derer, die eine Vereinigung mit der SPD anstrebten. Auch Hilferding gehörte frühzeitig, mindestens seit 1921, zu diesem Kreis, nachdem bereits Kautsky dies anstrebte.[128] Am 27. März 1922 trat Hilferding mit den anderen Redakteuren der „Freiheit“ zurück, da es grundsätzliche Kritik an ihrem politischen Verhalten gab, insbesondere hinsichtlich der Tolerierung bürgerlicher Politik und dem Ziel, mit der SPD zusammenzuarbeiten.[129] Doch die Stimmung änderte sich u.a. unter dem Eindruck der Ermordung Rathenaus schnell. Nun war die Rest-USPD bereit, in eine Koalition einzutreten, sodass eine Arbeitsgemeinschaft mit der Reichstagsfraktion der SPD gebildet wurde.[130] Im September 1922 vereinigte sich die USPD mit der SPD.[131]

Der Organisierte Kapitalismus

Während im „Finanzkapital“ die Zuspitzung der Entwicklung zu einem Umsturz führen würde, bedeuteten die Erfahrungen aus dem Krieg[132], dass Hilferding eine evolutionäre Entwicklung befürwortete und dass sich damit das politische Konzept des „Organisierten Kapitalismus“ als Mittel zur Umsetzung des Sozialismus entwickelte.[133] Dabei waren vor allem die aufgebauten administrativen Kapazitäten und die massiv angestiegene Rolle des Staates in der Wirtschaft maßgeblich. [134] Hilferding selbst sprach in der Kriegszeit synonym von „Organisiertem Kapitalismus“ und „Organisiertem Staatskapitalismus“.[135] Diese mit den Erfahrungen des Weltkriegs entstandenen Ideen sind auch bei anderen Autoren zu beobachten, zum Beispiel bei Kautsky mit seinem Artikel „Kriegsmarxismus“ in den Marx-Studien.[136] „So wie in der Wirtschaft der Konkurrenzkampf von der gewinnbringenden Interessengemeinschaft abgelöst werde, so in der Politik der Krieg durch die dauernde Friedenspolitik.“[137]

Die Entwicklung des „Organsierten Kapitalismus“ wurde auch durch eine anwachsende Diskussion nach 1910 unter den Nationalökonomen des Kaiserreiches (z.B. Plange, Jaffé, Schulze-Gaevernitz, A. Weber) gefördert, ebenso mit der Bankenfokussierung, wie Hilferding sie 1910 vorgestellt hatte.[138] Ähnliche Diskussionen fanden ab 1916 verstärkt in der Sozialdemokratie statt.[139] Es herrschte ein weitgehender Konsens, dass es durch den Krieg eine Veränderung in Richtung des Sozialismus gegeben hatte.[140]

Während der gesamten Kriegszeit konnte Hilferding Artikel in den Zeitschriften „Die Neue Zeit“ und „Der Kampf“ veröffentlichen. Mit seinem Artikel „Arbeitsgemeinschaft der Klassen?“ im „Kampf“, dem österreichischen Theorieorgan der Sozialdemokratie, im Oktober 1915 begann er mit der Formulierung seines Konzepts des „Organisierten Kapitalismus“, wobei er diesen Begriff hier erstmalig erwähnte. [141]Dieser Artikel richtete sich gegen eine Gruppe von zehn Vertretern der Arbeiterbewegung und zehn bürgerlichen Gelehrten, die eine gemeinsame Neuordnung beschrieben[142], gegen eine „Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen und sozialistischen Geisteswelt“[143] und gegen den Begriff des Kriegssozialismus, der eine Annäherung an sozialistische Vorstellungen durch die Kriegswirtschaft unterstellte. Diesem entgegnete Hilferding mit seiner Einschätzung der damaligen Phase als Kriegskapitalismus.[144]

In Abgrenzung zum „Seherblick des Genies“[145] von Marx betonte Hilferding neben den revolutionären Tendenzen auch die Anpassungen, die durch den Kampf der Gewerkschaften und Sozialdemokraten entstanden waren. Dieser Kampf hatte die Arbeiterschaft selbstbewusster gemacht, aber „zugleich den unmittelbaren revolutionären Antrieb“[146] gemildert. „Um es paradox zu sagen: die konterrevolutionären Wirkungen der Arbeiterbewegung haben die revolutionären Tendenzen des Kapitalismus geschwächt.“[147]

„Das Finanzkapital – die Beherrschung der monopolistisch organisierten Industrie durch die kleine Zahl der Großbanken – hat die Tendenz, die Anarchie der Produktion zu mildern und enthält Keime zu einer Umwandlung der anarchisch-kapitalistischen in eine organisiert-kapitalistische Wirtschaftsordnung. Die ungeheure Stärkung der Staatsmacht, die das Finanzkapital und seine Politik erzeugt hat, wirkt in derselben Richtung. An Stelle des Sieges des Sozialismus erscheint eine Gesellschaft zwar organisierter, aber herrschaftlich, nicht demokratisch organisierter Wirtschaft möglich, an deren Spitze die vereinigten Mächte der kapitalistischen Monopole und des Staates stünden, unter denen die arbeitenden Massen in hierarchischer Gliederung als Beamte der Produktion tätig wären. An Stelle der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft durch den Sozialismus träte die den unmittelbaren materiellen Bedürfnissen der Massen besser als bisher angepaßte Gesellschaft eines organisierten Kapitalismus.“[148] Diese Entwicklung, Kriegssozialismus genannt, werde durch den Krieg gestärkt und fördere eigentlich die kapitalistischen Kräfte. „Und die gleichfalls durch den Krieg in ihrer Macht und vor allem in ihrem Selbstbewußtsein ungeheuer gesteigerte Staatsgewalt wird schon aus finanziellen Gründen (Staatsmonopole!) diese Tendenzen fördern.“[149] Vor diesem Hintergrund verbinden sich die reformistischen Kräfte der Arbeiter mit den herrschenden Schichten. Der Kampf für Demokratie und Sozialismus trete zurück zugunsten einer unmittelbaren Sozialpolitik. Dieser Konflikt in der Arbeiterklasse, der seit Beginn der Arbeiterbewegung bestehe, müsse ausgetragen werden.

Hilferding unterscheidet zwischen dem sozialistischen Opportunismus und den Marxisten. Als solcher formuliert Hilferding: „Der Staat der kapitalistischen Gesellschaft ist vor allem Herrschaftsorganisation nach innen, Machtorganisation nach außen. Das Ideal des demokratischen Sozialismus ist es, den Staat umzuwandeln in die Selbstverwaltung der klassenlosen, ihre Produktion mit Bewußtsein im Interesse und nach den Bedürfnissen aller ihrer Angehörigen regelnden Gesellschaft. Die Aufhebung des Klassengegensatzes beseitigt auch den kapitalistischen Interessenkonflikten entspringenden Gegensatz der Staaten und macht so auch die Machtorganisation überflüssig.“[150]

„Je mehr die Wirtschaft organisiert und je planmäßiger sie wird, desto mehr wird die Führung der Wirtschaft nicht mehr eine Privatsache sondern eine öffentliche Sache.“[151] „Die Verwirklichung des Sozialismus ward nunmehr begriffen als bedingt von der Entwicklung des Kapitalismus: die fortschreitende kapitalistische Konzentration der Produktion stärkte die Stellung der Arbeiterklasse; ihre Vereinigung in den Fabriken und in den Industriezentren erleichtert ihre Organisation.“[152]

Der demokratische Staat ermögliche es den Arbeitern, das staatliche Handeln zu beeinflussen[153] und führe den „Organisierten Kapitalismus“ zum Sozialismus.[154] Es herrsche nicht mehr der Wettbewerb, sondern eine planmäßige Produktion. Der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital soll durch die Mitbestimmung demokratischer Arbeiterorganisationen gelöst werden.[155] „Die Produktion solle durch Selbstverwaltungskörperschaften der Unternehmer, Regierungsvertreter, Repräsentanten der Konsumenten und Repräsentanten der Arbeiter gemeinsam organisiert werden.“[156]

In seinem Grundsatzreferat vor dem Kieler SPD-Parteitag von 1927 sagte Hilferding: „Organisierter Kapitalismus bedeutet also in Wirklichkeit den prinzipiellen Ersatz des kapitalistischen Prinzips der freien Konkurrenz durch das sozialitische Prinzip der planmäßigen Produktion. Diese planmäßige, mit Bewußtsein geleitete Wirtschaft unterliegt in viel höherem Maße der Möglichkeit der bewußten Einwirkung der Gesellschaft, das heißt nichts anderes, als der Einwirkung durch die einzige bewußte und mit Zwangsgewalt ausgestattete Organisation der Gesellschaft, der Einwirkung durch den Staat.“[157] „Wir haben heute alle das Gefühl, dass auch der Privatbetrieb, die Wirtschaftsführung des einzelnen Unternehmers, aufgehört hat, Privatsache dieses Unternehmers zu sein. (…) [Die] Führung des Unternehmens ist nicht mehr Privatsache des Unternehmers, sondern gesellschaftliche Angelegenheit.“[158]

Mit dieser Theorie fand Hilferding innerhalb der Sozialdemokratie bis zur Wirtschaftskrise große Unterstützung und konnte damit linke und rechte Sozialdemokraten vereinen, da die reformistische Partei mit dem sozialistischen Ziel verbunden wurde. Auch in nicht-sozialistischen Kreisen waren, von der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung abgesehen, ähnliche Vorstellungen vorhanden.[159]

Nach dem Scheitern der Sozialisierungsbemühungen bis 1920 entwickelten die Gewerkschaften als verspätete Reaktion darauf mit der „Wirtschaftsdemokratie“ eine neue Programmatik. Dem Konzept ging eine längere, seit 1925 währende Auseinandersetzung voraus.[160] In der Programmschrift „Wirtschaftsdemokratie“ des ADGB (Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes) von 1928, redigiert von Fritz Naphtali, wird Hilferding nicht nur als Berater[161], sondern auch sein Konzept des Organisierten Kapitalismus explizit erwähnt.[162] Die „Wirtschaftsdemokratie“ ist die aus dem „Organisierten Kapitalismus“ abgeleitete politische Doktrin.[163] „Wenn die deutschen Gewerkschaften die Forderung der Wirtschaftsdemokratie aufstellen, so bedeutet das für sie keinen Verzicht auf das sozialistische Ziel und keinen Ersatz für den Sozialismus, sondern es bedeutet eine Ergänzung der sozialistischen Idee in der Richtung der Klärung des Weges zur Verwirklichung.“[164]

Nach Karl Korsch ist die Theorie des Organisierten Kapitalismus jene Theorie, „dessen analytische Schwäche die Weltwirtschaftskrise nachhaltig demonstrierte, in der das Konzept (…) der veränderten (…) Wirklichkeit als fixierte, als erstarrte Theorie gegenüberstehe.“[165]

Mit dem „Finanzkapital“ hatte Hilferding eine Analyse der Wirtschaft vor 1914 vorgelegt, der „Organisierte Kapitalismus“ jedoch bezog sich auf eine völlig veränderte Phase. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der theoretischen Kontinuität zwischen beiden Konzepten. Diese Frage wird höchst unterschiedlich eingeschätzt.[166]

An manchen Stellen weicht Hilferding eindeutig vom „Finanzkapital“ ab. So ist der Staat zunächst den Interessen des Finanzkapitals ausgeliefert und vollzieht dessen Willen. Im „Organsierten Kapitalismus“ hingegen wird der demokratische Staat gemeinwohlorientiert.[167] Auch lehnt Hilferding nun eine revolutionäre Vorstellung ab, bei der ein politischer Umbruch kam, und er spricht über eine, sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Umgestaltung.[168] Mit der Revision seiner Ansichten vollzieht Hilferding jedoch nur theoretisch nach, was sich politisch verändert hat. Es ist der Wechsel von der Monarchie zu einer Demokratie, in der die SPD die größte Fraktion stellt. Schon im „Finanzkapital“ ist der Staat Teil des Übergangs zum Sozialismus.[169]

Anders als im „Finanzkapital“ spricht Hilferding den Kartellen nun eine krisenlindernde Wirkung zu. „Das Neue an Hilferdings Analyse hing damit zusammen, dass er 1915 Bernsteins These übernommen hatte, die Zentralisierung und Konzentration der Industrie und die zunehmende Planung werde letztlich die Auswirkungen der Krise mildern.“[170] Durch die politischen Änderungen konnte Hilferding diese, ursprünglich in den poltischen Auseinandersetzungen von Kautsky begründete, Position aufgeben.

Sodann hält er nun auch eine internationale Verständigung für möglich, eine Periode des realistischen Pazifismus. Damit folgt er Kautsky, der seit 1914 die These vertrat, dass eine Verständigung der imperialistischen Länder möglich sei in Form eines Ultraimperialismus, also einer internationalen Kartellierung, die sich ebenfalls, wie im inneren, demokratisch gestalten ließe.[171]

Die optimistischen Wendungen, die Hilferding einbrachte, haben sich leider alle als Illusion herausgestellt: Der Weimarer Staat war noch nicht ein stabiler demokratischer Staat, die Weltwirtschaftskrise war verheerend und der Zweite Weltkrieg zeigte die fehlende Fähigkeit zur internationalen Verständigung.

Der gesamte Argumentationskern des „Finanzkapitals“, über die Geldtheorie, die Bedeutung der Banken und die Kartellbildung, bleibt von diesen Änderungen jedoch völlig unberührt. Die Änderungen betreffen vielmehr die politischen und taktischen Aussagen von Hilferding. Ja sogar im Gegenteil: Die Kontinuität der wirtschaftstheoretischen Konstruktionen bei Hilferding ist verblüffend.

Dies zeigt sich zum Beispiel bei einem Vortrag, den Hilferding 1931 hielt. Bis zu diesem Zeitpunkt lassen sich, bis hinein in die Details und Begrifflichkeiten, die Kontinuitäten nachvollziehen.[172] Der Vortrag war eine Kurzform der Theorie des „Finanzkapitals“, wobei die Argumentation bis hin zur Reihenfolge der Argumente nicht geändert ist. Dazu kommen die Anpassungen an die politische Gegenwart, indem Hilferding die Weltwirtschaftskrise als nicht ausreichend beachtete Folge des Weltkriegs bezeichnet.[173]„Indem aber das Finanzkapital die kapitalistische Wirtschaft immer stärker organisiert, schaffet es die Möglichkeit der Kontrolle dieser Organisation. Denn Organisation heißt nichts anderes als die Zusammenfassung bisher zersplitterter Kräfte unter einer einzigen Leitung. (…) Dem rein wirtschaftlichen Willen und seinen wirtschaftlichen Motiven, dem Streben nach Rentabilität und Steigerung der Profitrate kann sich ein anderes organisiertes Bewußtsein, ein anders motivierter Wille, das politischem das staatliche Bewußtsein entgegensetzen.“[174]

SPD-Politiker in der Weimarer Republik

Von 1920 bis 1925 war Hilferding Mitglied im Reichswirtschaftsrat[175], wodurch er viele Kontakte im In- und Ausland gewinnen konnte[176], sowie 1921 Mitglied des preußischen Staatsrats.[177]

Im Jahr 1922 fungierte er für zwei Monate, von Oktober bis November, als Unterstaatssekretär im Reichwirtschaftsministerium und nahm als Vertreter bei der Schuldenkonferenz von Genua, an dessen Ende der Rapallo-Vertrag mit der Sowjetunion stand, teil.[178] Vermutlich wegen seiner guten Beziehungen zu russischen Marxisten wurde Hilferding als Mittelsmann zu der russischen Seite eingesetzt.[179]

Ebenfalls 1922 wurde er auf dem Vereinigungsparteitag mit der SPD zum Mitglied des Parteivorstands gewählt.[180]

Hilferding war, zunächst als Reichswahlvorschlag der SPD und ab der 6. bis einschließlich der 8. Wahlperiode für den Wahlkreis Düsseldorf Ost[181] (einen der vormals stärksten Wahlkreise der USPD und damit sehr sicheren Wahlkreis[182]), im Reichstag als Abgeordneter vertreten. In den Reichstagshandbüchern firmiert Hilferding als „Dr. med.“, sowie als Schriftsteller und Verfasser des „Finanzkapitals“. Zudem wird er als Senator der Kaiser-Wilhelm-Akademie geführt, der „Akademie für das militärische Bildungswesen“.[183] Des Weiteren war Hilferding Dozent an der Hochschule für Politik[184]und im Reichskuratorium für die Wirtschaftlichkeit in Industrie und Handwerk.[185]

Er war in den führenden Kreisen der Republik angekommen.

1923, während der Hyperinflation, hatte Hilferding schon vor Eintritt der SPD in die Regierung Vorschläge zur Stabilisierung der Währung gemacht, wie z.B. strenge Devisenkontrollen. Mit dem Eintritt der SPD in die große Koalition unter Stresemann am 14. August wurde Hilferding dann Finanzminister. Stresemann berief ihn in das Kabinett, weil er dessen Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Anschauungen und Ideen schätzte.[186] Als Finanzminister kämpfte Hilferding ohne Hausmacht gegen eine ihn verachtende Beamtenschaft und gegen eine feindliche Stimmung sowohl am Kabinettstisch als auch aus der Wirtschaft.[187]

Sein Stabilisierungskonzept vom 9. August sah Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen vor, sowie eine Kontrolle der Reichsbank und mit ihr eine strenge Devisen- und Kreditkontrolle. „Sein vordringliches Ziel war, wie er sagte, die ‚Beherrschung des Devisenmarktes’. (…) Gleichzeitig bekannte er sich zu der Notwendigkeit einer ‚brutalen Steuerpolitik’, um die Versäumnisse der vorhergegangenen Zeit gutzumachen.“[188]

In der Folge sollte eine neue goldgedeckte Mark eingeführt werden. Dafür sah man vor, die Reichsbank in eine Gold- und eine Papiergeldabteilung zu trennen, wobei die Goldabteilung die neue Währung ausgeben und internationale Transaktionen sicher stellen, während die Papiergeldabteilung den Rückfluss des bisherigen Papiergeldes kontrollieren und abwickeln sollte. Sein Programm fand keine Akzeptanz. Dieser Plan war jedoch im Gegensatz zu den detailliert ausgearbeitet Plänen um Karl Helfferich und Hans Luther, die auf einer Beleihung von Eigentum und nicht auf Gold basierten, wenig ausgearbeitet und nicht von der ministeriellen Bürokratie in die Praxis übersetzt. Zudem war der Plan stark deflationär mit allen sozialen Konsequenzen, da Hilferding von einem gesellschaftlichen Zirkulationsminimum wie im „Finanzkapital“ ausging, auf das begrenzt er die neue Währung ausgeben wollte. Für Kritiker war die Goldbasis viel zu gering, während Hilferding die Kreditvergabe der Banken als Ausgleich sah. Er trennte wie im „Finanzkapital“ zwischen dem Goldgeld als gesicherte Basis und dem endogenen Geld der Banken, das sich flexibel anpasst und damit weder Inflation noch Deflation zulässt. Insbesondere alle Wirtschaftsverbände und Parteien sowie die Verwaltung lehnten seine Ideen ab, aber auch in der SPD war das Konzept umstritten.[189] Als Interimslösung schwebte Hilferding eine durch die relativ stabile Bodenrente gedeckte Lösung vor.[190] Der Vorwurf, dass Hilferding sich nur aus politischen Gründen dem Alternativ-Plan von Helfferich widersetzte, ist nicht glaubwürdig, da er ganz im Rahmen seiner theoretischen Überzeugungen arbeitete.[191]

Während das Kabinett dem Vorschlag Hilferdings weitgehend zustimmte, lehnte ihn die Reichsbank ab und stellte eigene Leitsätze auf.[192] Am 18. August stellte Karl Helfferich[193] seinen Alternativplan zur Rettung der Währung in Form einer Roggenmark vor. Der Nachteil einer Roggenmark sind die schwankenden und von den Ernten abhängigen Preise für Roggen, die zudem für Großgrundbesitzer manipulier anfällig gewesen wären.[194] Bis 1923 hatte sich Helfferich an Knapp theoretisch angelehnt und stand der Vorgängerregierung unter Wilhelm Cuno nahe, die mit dem passiven Widerstand gegen die Ruhrbesetzung die Geldkrise zusätzlich verschärfte, da sie hohe Zahlungen dorthin leisteten, welche durch die Notenpresse finanziert wurden. Die Bedeutung der Geldmenge für den Wertverlust der Währung bestritt Helfferich, während Hilferding mit seiner Theorie des gesellschaftlichen Zirkulationsminimums dies erkannte[195]. Am 6. September stellte der Reichsverband der deutschen Industrie sein Konzept einer neuen Goldwährung vor, bei dem das Deckungskapital in einem neutralen Land deponiert werden sollte.

Am 13. September entschied das Kabinett, kurzfristig eine Roggenwährung einzuführen und diese dann mittelfristig durch eine Goldwährung abzulösen. Trotz dieser Niederlage trat Hilferding nicht zurück und übernahm als Ersatzkandidat die Leitung des Ausschusses, der den Plan umsetzen sollte. Am 29. September legte er den mit der Wirtschaft abgestimmten und paraphierten „Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung der Währungsbank” den gesetzgebenden Körperschaften vor.[196] Aber Stresemann trat am 3. Oktober zurück, um ein Ermächtigungsgesetz durchzusetzen. Im zweiten „Kabinett Stresemann“ war Hilferding nicht mehr vertreten, während die SPD weiter in der Regierung blieb.[197]

Die Gründe hierfür sind umstritten: Zum einen waren es die Obstruktionen der konservativen Mitarbeiter im Finanzministerium und die Überforderung Hilferdings durch die administrativen Aufgaben.[198] Nach Stampfer[199] lag es an der engen Verbindung, die Hilferding zum Wirtschaftsminister Raumer von der DVP unterhielt, der von seiner eigenen Partei wegen der guten Beziehung zu Hilferding gestürzt wurde, da Hilferding keine Subventionen für das Klientel der DVP gewähren wollte. Stampfer zufolge habe Hilferding selbst seiner Demission zugestimmt, um eine andere Regierung zu verhindern und er sei nicht von seiner eigenen Partei fallen gelassen worden.[200]

Hilferdings Rolle als Finanzminister 1923 ist ihm bis zuletzt sowohl von der extremen Linken als auch von der extremen Rechten immer wieder vorgeworfen worden. Er blieb auch in den Augen der Öffentlichkeit der Finanzminister der Hyperinflation und der Zahlungen im Ruhrkampf.

1924 gründete Hilferding die Zeitschrift „Die Gesellschaft“[203], die als Nachfolgeblatt der „Neuen Zeit“ gedacht war.[204] Damit wurde Hilferding der „offizielle“ Nachfolger Kautskys als Cheftheoretiker der Partei.[205] Dies kommt auch in Kautskys Artikel in der ersten Ausgabe der „Gesellschaft“ zum Ausdruck, in dem er sozusagen den Staffelstab weitergibt und in der Zeitschrift das internationale Organ der vierten Phase des Marxismus sehen will.[206] Hilferding selbst beginnt sein Geleitwort der ersten Ausgabe mit einem Bezug zu seiner Theorie des Finanzkapitals und mit der Erklärung des Endes der Periode der freien Konkurrenz. Danach fordert er den historischen Prozess hin zu einer Wirtschaftsdemokratie.[207] In den Jahren des Bestehens bis 1933 veröffentlichten in der „Gesellschaft“ u.a. Fritz Naphtali, Ferdinand Tönnies, Hannah Ahrend und Herbert Marcuse.[208]

1924 wurde Hilferding Vorsitzender der Programmkommission der SPD, welches 1925 in Heidelberg beschlossen wurde. Dies stellte eine Rückbesinnung auf das Erfurter Programm von 1891 dar und sollte das eher reformorientierte Programm der (M)SPD von Görlitz 1921 nach der Wiedervereinigung wieder marxistischer machen. Es trägt damit deutlich die Handschrift von Hilferding[209], indem es besagt, dass das kapitalistische Monopolstreben zur „Organisierung der Wirtschaft in Kartelle und Trusts [führt]. Dieser Prozeß vereinigt Industriekapital, Handelskapital und Bankkapital zum Finanzkapital.“[210] Der gesamte „Grundsätzliche Teil“, der dem Programm vorangestellt ist, spiegelt die Hilferdingsche Theorie vom „Finanzkapital“ wider. „Das Heidelberger Programm von 1925 war der ideologische Preis, den die Mehrheitssozialdemokratie für die Wiedervereinigung mit den Unabhängigen zahlte.“[211] Man gab sich wieder ein Programm, das dem einer Oppositionspartei im Kaiserreich entsprach. Die freie Hand, die man Hilferding ließ, zeugt auch davon, dass die Parteiführung an den theoretischen Grundsatzfragen nicht sehr interessiert war.[212]

Heinrich Brüning erzählt in seinen Memoiren, die Sowjetregierung hätte Hilferding den Vorsitz der Kommission zur Ausgabe der Schriften von Karl Marx angeboten und ihn nach Ablehnung zumindest um eine Einleitung gebeten.[213] Da Hilferding die Memoiren von Brüning selbst vor deren Veröffentlichung zur Prüfung vorgelegt wurden, scheint Hilferding diesen Passus bestätigt zu haben.[214] Vermutlich handelt es sich um das Projekt um David Rjazanov, im Rahmen dessen zwischen 1927 und 1941 zwölf Bände erschienen sind[215] und das Hilferding unterstützt hat. Überraschend ist dies dennoch, bedenkt man die harten und persönlichen Attacken, die Hilferding trafen, als er bei der USPD den Anschluss an die Dritte Internationale ablehnte.

Hilferding interpretierte die Geschehnisse der Zeit im Sinne seines Konzeptes vom „Organisierten Kapitalismus“. Anlässlich der Verhandlung im Reichstag über einen Handelsvertrag mit Frankreich erkannte er in der Detailausprägung und der Struktur des Vertrags den hohen Einfluss der Schwerindustrie auf den Staat und den hohen Grad der Organisation der inländischen Wirtschaft.[216]

1926 leitete Hilferding den Ausschuss zum Geld- und Finanzwesen und saß im Präsidium der Wirtschaftsenquete des Reichstags zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft. [217] In diesem Ausschuss wurden die Grundlagen der deutschen Wirtschaft untersucht, zu denen explizit die Organisationsstruktur und die Preisgestaltung gehörten.[218] Auch in diesem Rahmen vertrat Hilferding seine Vorstellung von der Wirtschaft als einer kartellierten Struktur, die keine Wirtschaft der Einzelbetriebe mehr sei.[219] Desweiteren führte er die Wirtschaftskrisen der 20er Jahre auf eine große Disproportionalität zurück, die durch den Krieg entstanden sei.[220]

Auf dem Parteitag 1927 in Kiel verband Hilferding seine Theorie von der organisierten Wirtschaft mit der taktischen Aufforderung, in eine Koalition mit der DVP zu gehen. Er begann seinen Vortrag vor dem Parteitag damit, dass er die Wirtschaft als mittlerweile weitgehend konzentriert betrachtet und die Zeit der freien Konkurrenz weitgehend beendet sei. Mit Bezug auch zu Werner Sombart sieht er die Phase des Spätkapitalismus gekommen. Auch seine Zolltheorie in der Form von 1903 und 1910 fügte er in die Ausführungen ein. 

Der demokratische Staat muß die kapitalistische Wirtschaft umgestalten und der Lohn ist politisch bestimmt, da die Wirtschaft immer mehr der bewussten Regelung durch den Staat unterliegt. Hilferding rief dazu auf, sich aktiv in der Regierung zu beteiligen und den Staat zu dem zu machen, was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ist. Der Kampf um den Staat soll das Ziel haben, Einfluss auf die Leitung der Wirtschaft zu erhalten. Taktisch empfahl er eine Koalition mit der DVP[221] und trotz einzelner Kritik war die grundsätzliche Zustimmung fast aller Parteiteile sehr hoch.[222] Der Grad der Zustimmung zu diesem Konzept in der Arbeiterbewegung zeigt sich auch darin, dass – vor dem Hintergrund der stetigen Auseinandersetzungen zwischen Partei und Gewerkschaften im Kaiserreich – der ADGB mit Fritz Naphtali 1928 den „Organisierten Kapitalismus“ in Form der politischen Doktrin der „Wirtschaftsdemokratie“ in sein Programm aufnahm.[223] Hilferding war mit seinem auf dem „Finanzkapital“ gründenden Konzept auf dem Höhepunkt seines Einflusses angelangt.

In der folgenden großen Koalition, nach deutlichem Gewinn der SPD bei der Reichstagswahl im Mai 1928, wurde Hilferding erneut Finanzminister.[224] Sein Ziel war die Verhinderung einer erneuten Inflation angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen. Er war zu striktem Sparen verpflichtet, da seine Vorgänger, Peter Reinhold und Heinrich Köhler, expansive Ausgaben und Steuersenkungen durchgeführt hatten. [225] Zudem erreichten die Reparationszahlungen 1929 ihren Höchststand.[226]

Die Kreditvergabe der Reichsbank an die Reichsregierung war 1923 auf 1.200 Millionen Reichsmark begrenzt und der Kapitalmarkt bereits erheblich in Anspruch genommen worden. Hilferding hatte ständige Sorge wegen des Ultimobedarfs, für den ca. 500 Mio. Reichsmark zur Zahlung von Beamten und Reichsgläubigern benötigt wurden. Zur Konsolidierung des Fehlbedarfs sah er die Begebung einer langfristigen Anleihe von 500 Mio. RM, gekoppelt mit steuerlicher Befreiung, vor. Die am 17. Mai 1929 aufgelegte Anleihe erbrachte jedoch trotz der gewährten Steuerbegünstigungen lediglich 180 Mio.[227]

Auch wenn seine Partei keine alternative Strategie anbieten konnte, war sie mit der Politik Hilferdings sehr unzufrieden, der es auch nicht geschafft hatte, die Steuerreduzierung bei den indirekten Steuern durchzusetzen. Die Industrie auf der anderen Seite war unzufrieden mit der hohen Kapitalaufnahme durch den Staat, wodurch den Unternehmen Kapital entzogen werde. [229] Hilferding sah sich gezwungen, die Alkoholsteuern heraufzusetzen, was zu scharfen Angriffen aus der Verbraucherschaft und der eigenen Fraktion führte.[230]

Seine Pläne der Haushaltkonsolidierung[232], insbesondere der Verzicht auf den Bau von Panzerkreuzern, konnten nicht durchgesetzt werden und Hilferding stimmte dem Bau im Kabinett zu. Dies führte zu großen Protesten in der SPD und zu einer Ablehnung im Reichstag, die den Bau jedoch nicht verhindern konnte.

Im Batschari-Reemtsma-Skandal des Jahres 1929, als Hilferding als Finanzminister Reemtsma Steuerschulden beim Kauf einer maroden Firma erlassen hatte, sah er sich einer antisemitischen Kampagne ausgesetzt, in der ihm Korruption vorgeworfen wurde, was jedoch nicht bewiesen werden konnte. Zudem wurde dies als Beispiel dargestellt, wie die Wirtschaft und die Konzerne die Politik in Abhängigkeit bringen würde.[233]

In diese Zeit als Minister fiel auch die Ablehnung des Asylantrags von Trotzky, die Hilferding als Kabinettsmitglied mit zu verantworten hatte und die Trotzky ihm persönlich übel nahm.[234]

Hilferding griff die linke Opposition immer wieder massiv an[235] und reagierte auf Kritik aus dieser Richtung zunehmend arrogant.[236] In der 1927 von Max Adler gegründeten linken Zeitschrift „Klassenkampf“ polemisierte dieser gegen seinen einstigen Freund und Mitherausgeber Hilferding, der ihm nicht mehr marxistisch genug war.[237]

Die kommunistische Reichstagsfraktion nannte Hilferdings Haushaltentwurf im April 1929 „reaktionärer als der Bürgerblock“ sowie „Etat des deutschen Imperialismus“ und meinte „der Bürgerblock wird durch Hilferding sogar an Arbeiterfeindlichkeit noch übertroffen“.[238] Auch das „Finanzkapital“ wird zitiert, um Hilferding seine Tätigkeit als im Namen des den Staat beherrschenden Finanzkapitals vorzuwerfen.[239]Dieses Verhältnis schränkte die Möglichkeit für ein gemeinsames Vorgehen der Arbeiterparteien 1932/33 stark ein.

Auch von rechter Seite wurde Hilferdings für seinen Haushaltsentwurf hart angegangen. Paul Bang von der DNVP warf ihm mangelnde Selbstsicherheit, Opportunismus, eine völlige Abkehr vom Marxismus und wegen der steuerfreien Anlage eine „Kameradschaftsehe“ mit dem Bankier Jacob Goldschmidt vor.[240]

Am 21. Dezember 1929 trat Hilferding als Finanzminister zurück. Sein Staatssekretär, Johannes Popitz, hatte Verhandlungen um einen Kredit von der US-Bank Dillon, Read & Co gestanden. Es folgte eine massive Intervention des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht, der Bedingungen stellte. Als sich das Kabinett am 21. Dezember 1929 den Forderungen Schachts beugte, erklärten Hilferding und Popitz noch am gleichen Tag ihren Rücktritt.[241]

Im März 1930 zerbrach schließlich die Koalition wegen einer Auseinandersetzung über die Arbeitslosenversicherung.[242] Schacht hatte zum einen das Ziel, die Regierung zu schwächen.[243] Zum anderen verachtete er Hilferding und hatte diesen zum Rücktritt zwingen wollen.[244]

Die Finanzpolitik Brünings wies große Kontinuität zu der von Hilferding auf. Auch deswegen entwickelte sich Hilferding zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen der Brüningschen Regierung und der SPD.[245] Er war der Architekt der Tolerierungspolitik.[246] Mit dem Reichskanzler Brüning verband Hilferding eine gegenseitige Freundschaft und konstruktive Zusammenarbeit[247], weswegen er während Brünings Regierungszeit in der SPD für eine Tolerierungsstrategie eintrat.[248]

Hilferding wehrte sich nicht gegen die grundsätzliche Form der Regierung über Notverordnungen in dieser Zeit, sondern versuchte, diese in persönlicher Einflussnahme im Sinne der SPD zu bewegen.[249] Brüning beschreibt Hilferding in der Weimarer Zeit als einen Politiker, der seiner eigenen Partei oft kritisch gegenüberstand und eine strenge Fiskal- und Geldpolitik befürwortete.[250] Als Kritiker und Berater von Brüning hatte dieser Anteil an der deflatorischen Politik des Kanzlers.[251]

In der Bankenkrise 1931 zog Brüning Hilferding als Berater und Vertreter der SPD zu Besprechungen hinzu.[252] Auch während der Weltwirtschaftskrise war Hilferding beratend tätig: So saß er im Wirtschaftsausschuss der Reichsregierung Brüning und hat in dieser Funktion den Hilfsmaßnahmen für die Danat- und Dresdner Bank sowie der Entwicklung der Bankenaufsicht zugestimmt.

Die zentrale Funktion der Banken für die Geldzirkulation in der Krise, die Hilferding diesen zuspricht, lässt auf die Relevanz seiner Geldtheorie aus dem „Finanzkapital“ für sein Handeln in dieser Zeit schließen. Jedoch weicht er auch vom „Finanzkapital“ ab, wenn er die Macht der Banken in der Krise relativiert und dem Finanzsystem eine große Empfindlichkeit zuspricht. In der Verstaatlichung der Banken sieht Hilferding eine Möglichkeit zur Umsetzung seiner Ideen eines „Organisierten Kapitalismus“ und er macht Disproportionalitäten als Ursache der Weltwirtschaftskrise aus.[253] „Bei allen Besonderheiten der Wirtschaftkrise (…) war dies doch aus Hilferdings Sicht eine typisch kapitalistische Krise, die es durchzustehen galt, bis der notwendige Reinigungseffekt erreicht war.“[254] Erklären konnte sich Hilferding diese Krise nur als Folge des Krieges.[255]

In der Weltwirtschaftskrise begann die Position Hilferdings als Haupttheoretiker der Sozialdemokratie zu bröckeln, und er wurde von Personen wie Naphtali, Tarnow, Woytinski, Sender oder Aufhäuser herausgefordert, die eine zunehmende staatliche Nachfrage und eine Lockerung der Geldpolitik, insbesondere bei der Goldbindung, befürworteten. Dagegen stand Hilferding mit seinem orthodoxen Marxismus. Er stellt auch hier, wie im „Finanzkapital“ hergeleitet, die positive Wirkung einer Organisation der Wirtschaft durch die Kontrolle der Banken heraus.[256]

Fritz Tarnow sagte auf dem SPD-Parteitag 1931 in Leipzig: „In Kiel hat der Genosse Hilferding eine Analyse der kapitalistischen Wirtschaft der Gegenwart gegeben, und er kam zu der Feststellung, daß wir uns in einer Periode befinden, in der die ungebundene Unternehmerkonkurrenz in organisierten Kapitalismus umgewandelt würde. Ich muß heute über Wirtschaftsanarchie reden. Organisation ist das Gegenteil von Anarchie. (…) Der Monopolkapitalismus organisiert zwar, aber er organisiert Wirtschaftsbezirke und nicht die Volkswirtschaft (…). Der organisierte Kapitalismus hat den ökonomischen Bürgerkrieg Mann gegen Mann aufgehoben und ihn in einen ökonomischen Bandenkrieg umgewandelt.“[257] Hilferding nahm in der folgenden Aussprache nicht Stellung.

Am 6. Oktober 1931 sprach Hilferding vor dem 4. AfA-Kongress (Allgemeiner freier Angestelltenbund) in Leipzig. Dabei folgte Hilferding erneut seiner Argumentation aus dem „Finanzkapital“ von den Aktiengesellschaften als Mittel der Konzentration über das Finanzkapital bis hin zum Imperialismus. Danach vertritt Hilferding die veränderten Positionen des „Organsierten Kapitalismus“ mit dem Einfluss der Staatsgewalt und der Möglichkeit zur Krisenlinderung. „Und nun trifft diese Krise, deren Größe nur aus der vorhergehenden Einwirkung der Gewalt des Krieges, der unmittelbaren politischen Gewalt erklärt werden kann, auf einen neu organisierten Kapitalismus, auf einen Kapitalismus, der im Zeichen des Finanzkapitals ungleich machtvoller ist, als in irgendeiner früheren Phase, aber auch ungleich empfindlicher. Denn die innige Verbindung zwischen Industrie und Kreditorganisation muß bei einer so schweren Störung der Industrie auch unmittelbar die Kreditorganisation in Mitleidenschaft ziehen, was dann zu einer Störung des ganzen Kreditmechanismus führt.“[258] Hilferding fordert den Einsatz der Zentralbank zur Regulierung der Krise: „Im Gegensatz zur Anarchie in der kapitalistischen Produktion und im Handel ist ja die Geldwirtschaft und infolgedessen auch rückwirkend die Kreditwirtschaft (…) in planmäßiger Abhängigkeit von der Zentralbank. In den Zentralbanken hat der Kapitalismus, hat die kapitalistische Wirtschaft ein gesellschaftliches Instrument, um wenigstens die schlimmsten Folgen eines solchen Wirrwarrs durch planmäßige Einwirkungen zu verhindern. Was wir hier zu konstatieren haben, ist eben, daß die kapitalistische Gesellschaft, obwohl sie dieses Instrument in der Hand hat, nicht imstande gewesen ist, es anzuwenden (…). Es ist nicht das Zuviel an Planwirtschaft, sondern es ist das Nichterkennen von planmäßigen Möglichkeiten selbst dort, wo sie in ihren eigenen kapitalistischen Organisationen vorhanden sind, das bewirkt hat, daß wir heute zu einem Zusammenbruch der Kreditorganisationen gekommen sind, wie es sich kein sozialistischer Zusammenbruchstheoretiker je hätte vorstellen können!“[259] Hilferding machte sich für verstärkte Kreditvergabe durch die Reichsbank stark.[260] Diese überraschende Forderung angesichts der restriktiven Finanzpolitik Hilferdings erklärt sich durch seine Trennung zwischen dem Staatsgeld und dem Kreditgeld im „Finanzkapital“.[261] Der Ausfall an Kreditgeld muss durch eine Ausweitung des Staatspapiergeldes kompensiert werden.[262] Andere Äußerungen Hilferdings zeigen jedoch, dass es ihm mit der Umsetzung nicht ernst war: Im September 1931 nahm Hilferding an der Geheimkonferenz der Friedrich-List-Gesellschaft über Möglichkeiten und Folgen der Kreditausweitung als Instrument in der Weltwirtschaftskrise, der Lautenbach-Plan, teil. Diese Konferenz war hochkarätig besetzt, unter anderen mit dem Reichsbankpräsidenten Luther, aber auch mit Ökonomen wie Wilhelm Röpke und Edgar Salin. Hilferding war sowohl als bekannter Theoretiker, aber auch als Vorstandsmitglied der SPD vertreten. In dieser Konferenz streitet er die Wirkung von geldpolitischen Maßnahmen ab[263], hält Inflation und Deflation bei freien Goldwährungen nicht für möglich[264] und lehnt eine Lockerung der Golddeckungsvorschriften ab.[265] Mit diesen Positionen war Hilferding in der Runde relativ isoliert. Hinter seiner Position lässt sich die Geldtheorie aus dem „Finanzkapital“ erkennen: Zum einen das Festhalten an dem Goldstandard, zum anderen die Behauptung, dass eine ausreichend endogene Geldmengenanpassung[266], ohne einen geldpolitischen Stimulus, erfolgen müsse. Zudem ist bei ihm die Inflationssorge, vermutlich auch in Folge der Erfahrungen als Finanzminister 1923, deutlich erkennbar.[267]Auf der Konferenz entstand sogar eine Diskussion mit Wilhelm Lautenbach aus dem Reichwirtschaftsministerium darüber, ob das Volumen der gehaltenen Finanzwechsel, also Wechsel ohne dahinterliegendes Warengeschäft, der Reichsbank über oder unter dem Zirkulationsminimum in der Definition aus dem „Finanzkapital“ liegt, was Hilferding so einschätzt.[268] Auch verwehrte sich Hilferding, ganz im Sinne des „Finanzkapitals“, gegen eine Auflösung von Kartellen zur Preisreduzierung, die Spielraum für eine expansive Geldpolitik schaffen sollen.[269] Insgesamt sind Hilferdings Pläne zur Lösung der Krise eher vage zu nennen.[270]

Als in der SPD 1932 der WTB-Plan zur Überwindung der Wirtschaftskrise diskutiert wurde, war Hilferding der dogmatische Vertreter einer restriktiven Politik: Durch den Plan würde die Arbeitswerttheorie in Frage gestellt und deswegen könnten die Vertreter des Plans keine Marxisten sein. Durch seine große Autorität bei Wirtschafts- und Währungsfragen innerhalb der SPD konnte Hilferding eine Änderung der Ausrichtung verhindern.[271] Danach verlor Hilferding zunehmend an Reputation in der SPD.

Emigration

1933 warnte Brüning Hilferding, dass nach der Annahme des Ermächtigungsgesetzes durch den Reichstag eine Verhaftung der führenden SPD-Politiker bevorstehe und er das Land schnell verlassen sollte.[272] Hilferding gelang es Anfang 1933 nicht, den Ernst der Lage zu erkennen. Die Initiative des ADGB, mit einem Generalstreik die Demokratie zur verteidigen, lehnte er ab. Dabei berief er sich auf die formal weiterbestehenden Strukturen und hielt Adolf Hitler für eine vorübergehende Erscheinung.[273] Er lehnte damit einen Generalstreik zur Verteidigung der Demokratie ab, also genau das, was er in seinem Artikel „Zur Frage des Generalstreiks“ 1903 gefordert hatte.[274] Am 27. Februar 1933 sagte Hilferding zu Harry Graf Kessler, dass er von den Mordplänen gegen sich wisse und dass er Berlin verlassen würde.[275] Seit Ende Februar trat Hilferding aus Sicherheitsgründen nicht mehr öffentlich auf.[276] Bei der Abstimmung des Ermächtigungsgesetzes vom 24.03.1933 war Hilferding als krank gemeldet.

Ende März floh er aus Deutschland, zunächst nach Dänemark, dann über Saarbrücken nach Paris. Im Juni 1933 reiste er dann nach Zürich weiter, wo er bis 1938 blieb. [277] Diese Erfahrungen führten dazu, dass er langsam seine gesamten Vorstellungen überdachte, insbesondere das Scheitern der parlamentarischen Strategie. Aus dem Exil schrieb Hilferding von 1933 bis 1939 für den „Neuen Vorwärts“ und wurde von 1933 bis 1936 Herausgeber der „Zeitschrift für Sozialismus“. Diese Ernennung erfolgte gegen Widerstände in der Exil-Partei, die sich jetzt „Sopade“ nannte, weil die Gefahr gesehen wurde, dass der Name Hilferding mit der gescheiterten Politik in der Weimarer Republik verbunden würde.[278]

Das Anfang 1934 veröffentlichte „Prager Manifest“ als Programm der Exil-Partei wurde maßgeblich von Hilferding mitgeschrieben und stellte eine Kampfansage an die nationalsozialistische Diktatur ebenso dar, wie eine Kritik an der eigenen Politik seit 1918. Die Unklarheiten des Manifests zeugen aber auch von der Verunsicherung innerhalb der Partei und bei Hilferding.[279]

Am 11.6.1935 verlor Hilferding die deutsche Staatsbürgerschaft, 1936 legte Hilferding die Führung der „Zeitschrift für Sozialismus“ nieder, 1938 folgte er dem Sopade-Vorstand nach Paris, weil dieser nicht mehr in Prag bleiben konnte.[280]

Vor der Eroberung von Paris am 22. Juni 1940 floh Hilferding mit Rudolf Breitscheid[281] über verschiedene Städte, bis sie im Juli Marseille erreichten. Anfang August erhielten sie Ausnahmevisa für die USA. Sie benötigten jedoch auch Ausreisevisa des Vichy-Regimes. Kurz vor der geplanten illegalen Ausreise wurde Hilferding am 13. September von den französischen Behörden festgenommen und nach Arles überführt.[282] Am 9. Februar wurde er nach Vichy gebracht und dort der Gestapo überstellt. Diese brachte Hilferding nach Paris in das Gefängnis Le Santé, wo Hilferding am 11. Februar vermutlich durch Einnahme von Veronal, das er schon länger mit sich trug, starb.[283]

1923 hatte sich Hilferding von Margarethe scheiden lassen und heiratete am 8. Januar 1924 Rose Lanyi. Diese war tschechisch-stämmig, in Deutschland geboren und ebenfalls Ärztin. Sie war zuvor verheiratet gewesen und hatte eine Tochter, Elisabeth, aus erster Ehe. Rose emigrierte 1937 über Frankreich in die USA, wo sie 1959 starb.[284]

Margarete wurde 1934 zwangspensioniert, nutzte ihr Visum nach Frankreich nicht und wurde am 28.6.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 24.9.1942 ermordet wurde. [285]

Um seine Kinder hatte sich Hilferding wenig gekümmert, sie sahen ihn selten und erhielten kaum Briefe oder Geschenke. Auch zahlte er kein Geld an seine erste Frau.[286] Karl Emil (geboren am 12.09.1905 in Wien)[287] und Peter (geboren am 13.01.1908 in Berlin) [288] wuchsen bei ihrer Mutter auf.

Peter betrieb eine Buchhandlung in Wien, als er 1938 festgenommen wurde und bald darauf das Land verlassen musste. Er ging nach Neuseeland, nannte sich in Peter Milford um und kehrte im März 1947 nach Wien zurück.[289]

Karl Hilferding studierte Chemie und beendete das Studium schließlich mit einer Promotion.[290] Am 06.06.1924 konvertierte er zum Katholizismus[291] und studierte in der Folge Philosophie, was er ebenfalls mit einer Promotion abschloss.[292] 1937 entschied er sich, Priester zu werden und wählte den Orden „Societas Verbi Divini“ (Gesellschaft des Göttlichen Wortes). Sein Noviziat absolvierte er ab 1938 in den Niederlanden. Auf der Flucht vor den Nazis wurde er 1942 an der französisch-schweizerischen Grenze aufgegriffen und nach Auschwitz deportiert, wo er am 02.12.1942 ermordet wurde.[293]

Bis zu seinem Tod hat Hilferding viele politische, aber auch theoretische Überzeugungen überdacht. Über die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten schrieb er 1934: „Entscheidend ist aber die zwangsweise Monopolorganisation der Produktion. (…) Diese immer weiter getriebene Ausschaltung der freien Konkurrenz, die künstliche Erhaltung rückständiger Betriebe in Handel und Industrie und die Ausdehnung der Agrarproduktion zu steigenden Kosten bedeutet aber steigende Unproduktivität der Gesamtwirtschaft.“[294] „Die deutsche Staatsmacht besitzt heute noch die Verfügungsgewalt über die Großbanken und damit über einen großen Teil der von den Banken abhängigen Industrie.“[295] Mit dieser Erkenntnis bezieht Hilferding die Zeit des Finanzkapitals und des Imperialismus ganz explizit nur noch auf die Phase vor dem ersten Weltkrieg: „Der Krieg [der Erste Weltkrieg] hat der klassischen Politik des Imperialismus, der Politik des Finanzkapitals, vorerst ein Ende gemacht. (…) Die Nachkriegsperiode hat auch in den führenden kapitalistischen Ländern den Drang zum Kapitalexport erheblich vermindert.“[296] Er kommt zu der Einsicht, dass insbesondere die deterministische Grundüberzeugung über den kommenden Sozialismus die Aktivitäten gelähmt haben.[297] Während Hilferding bis 1933 eifrig bemüht war, die Weimarer Zeit mit seinen Theorien aus dem „Finanzkapital“ zu erklären, weicht er nun davon ab.

Hilferding wird zu einem Totalitarismuskritiker, indem er die Wirtschaft dem Staat und dessen Bedürfnissen unterworfen sieht. Er bricht gänzlich mit einem „Primat der Ökonomie“[298] und vertritt eine klare Westorientierung.[299]

Der Artikel „Staatskapitalismus oder totalitäre Staatswirtschaft?“, der 1940 auf Russisch in einer Pariser menschewikischen Zeitung veröffentlicht wurde, beeinflusste die Totalitarismusdebatte in den sozialistischen Zirkeln.[300] Darin schreibt Hilferding: „Deshalb wird das russische und überhaupt das totalitäre Herrschaftssystem nicht bestimmt vom Charakter der Wirtschaft. Umgekehrt, diese Wirtschaft wird bestimmt durch die Politik, wird von der Staatsmacht geprägt und den Zielen dieser Macht unterworfen. Die totalitäre Staatsmacht lebt von der Wirtschaft, aber sie existiert nicht für die Wirtschaft, nicht für die in der Wirtschaft herrschende Klasse wie der bürgerliche Staat“[301] „Es [das sowjetische Wirtschaftssystem] stellt eine totalitäre Staatswirtschaft dar, d.h. ein System, dem sich auch immer mehr die Wirtschaft Deutschlands und Italiens annähert.“[302]

In seinem letzten Werk, „Das historische Problem“ [303], das er im Hausarrest in Arles geschrieben hatte und das Benedikt Kautsky 1954 veröffentlichte, brach Hilferding endgültig mit der Vorstellung, dass der Sozialismus eintreten müsse. Er nannte es nur noch eine Chance. Zudem akzeptierte er nicht mehr den Marxschen Klassenbegriff, den er für die modernen Gesellschaftsstrukturen als unpassend empfand. [304]Es ist die völlige Abkehr vom Glauben, mit demokratischen Instrumenten etwas bewegen zu können.[305]

Im „historischen Problem“ betont Hilferding die besondere historische Erfahrung, die in der Zeit seit 1914 gemacht wurde und dem Geschehen eine neue Richtung gibt. „Und das Verhältnis ist keineswegs so, daß die Ökonomie Inhalt, Ziel und Ergebnis der Gewalt bestimmt; der Ausgang der Gewaltentscheidung bestimmt seinerseits die Ökonomie.“[306] Hilferding löst sich vom ökonomischen Determinismus, was „bedingt, daß die Erkenntnis der Gesetzmäßigkeit in der Geschichte auf Schranken stößt, daß wir nicht von der Notwendigkeit sprechen können im Sinne von Marx, sondern nur von Chance, im Sinne von Max Weber.“[307] Hilferding betont die Macht des Staates, die im historischen Verlauf immer zugenommen hat und der sich die Wirtschaft untergeordnet hat. Damit wird der Staat zum totalen Staat. Während in der Zeit direkt vor dem ersten Weltkrieg der Staat noch der Wirtschaft nutzbar gemacht wurde, hat sich dies danach gedreht. „Der totale Staat unterwirft die Wirtschaft seinen eigenen Bedürfnissen.“[308]

Den Plan zu dieser Revision hatte Hilferding spätestens 1937 gefasst, als er gegenüber Kautsky Zweifel daran äußerte, dass sich ein Klassenbewusstsein wirklich herausbilden muss. Er wendet sich ab von den deterministischen objektiven Gesetzmäßigkeiten und betont die Motive der Menschen.[309] Die „Deutsche Zeitung“ titelt einen Artikel zur posthumen Veröffentlichung der Schrift am 08.01.1955 mit: „Hilferding korrigiert Karl Marx“.

Fazit zur Biographie

Hilferdings Leben wird oft in drei Abschnitte geteilt, nämlich in die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg, in der die Abfassung des „Finanzkapitals“ fällt, dann in die Phase als Politiker in der Weimarer Republik und zuletzt in die Zeit des Nationalsozialismus.[310] Die Periode von 1914 bis zur Wiedervereinigung der SPD beschreibt Smaldone sogar als die revolutionäre Phase von Hilferding.[311] Diese Abschnitte und Einschätzungen beruhen auf den allgemeinen historischen Abläufen, von denen Hilferding natürlich beeinflusst war und denen er seine Reden und sein Handeln anpasste. Deswegen ist eine solche Einteilung für eine Biographie adäquat.

Das eigentlich Erstaunliche bei Hilferding ist aber die Kontinuität der seinem Reden und Handeln zugrunde liegenden theoretischen Konstruktionen, also die bis 1933 ungebrochenen Fundierung in den Ausführungen aus „Das Finanzkapitals“. Hilferding vertrat 1930 die Positionen, die er bereits im Kaiserreich entwickelt hatte. Hilferding konstatierte den im „Finanzkapital“ beschriebenen Entwicklungen 1924 sogar eine außerordentliche Beschleunigung.[312]

Die Erfahrungen der Jahre 1917 bis 1923 haben bei Hilferding nicht dazu geführt, dass er seine theoretischen Überzeugungen verändert hätte. Einzig die Frage, wie der Sozialismus zu erreichen sei, ob revolutionär oder demokratisch, hat sich geändert. Anstatt am Scheitern der Revolution von 1919 zu verzweifeln, hat er die neue politische Situation positiv gedeutet und veränderte mit dem „Organisierten Kapitalismus“ seine Theorie dahingehend, dass der historische Prozess aus dem „Finanzkapital“, der in einem politischen Umschlag endet, nun auch in einer demokratischen und schrittweisen Form erreicht werden kann. Die existierende Staatsform wurde von Hilferding, als Cheftheoretiker der einzigen staatstragenden Partei der Weimarer Republik[313], positiv gewendet. Die „Arbeiterschaft betrachte nunmehr den Staat als das politische Mittel zum Aufbau des Sozialismus.“[314] Schon in der „revolutionären“ Phase ist Hilferding nicht radikal gewesen, sondern hat zum Beispiel schon im Dezember 1918 alle Sozialisierungsideen eingeschränkt. 

Als Chefideologe der SPD in der Nachfolge von Kautsky und als Finanzminister 1923 und 1928/29 war er mit dem politischen Geschehen und dem Scheitern der Weimarer Republik aufs Engste verknüpft.[315] Mit dem „Organisierten Kapitalismus“ hat Hilferding eine theoretische Grundlage geschaffen, auf der die SPD in den 1920er Jahren ihre pragmatische Politik mit ihren Überzeugungen verknüpfen konnte. Für ein paar Jahre hatte die Theorie vom „Organisierten Kapitalismus“ der konkreten Wirtschaftpolitik der SPD einen Rahmen geboten, ehe der sich spätestens ab 1931 auflöste.

Hilferding war von Kautsky als sein Nachfolger vorgesehen und wollte dies auch sein. Nach dem ersten Weltkrieg, als Kautsky sich zurücknehmen wollte nach dem Misserfolg der Sozialisierungskommissionen und mit der Wiedervereinigung der Sozialdemokratie, bot sich für Hilferding die Gelegenheit. Er hatte alles richtig gemacht: Als erstes gründete er sein eigenes Theorieorgan, dem er die gleiche Rolle wie „Die Neue Zeit“ verschaffen wollte, nämlich das zentrale Theorieorgan der Sozialdemokratie zu sein. Sodann wirkte er an zentraler Stelle bei der Erstellung des neuen Parteiprogramms mit. Dies tat er mit Kautsky zusammen, um von dessen Autorität zu profitieren. Durch sein Reichstagsmandat und seine Mitgliedschaft im Parteivorstand verfügte er sogar eine noch bessere Ausgangssituation als Kautsky sie je gehabt hatte. Und dennoch scheiterte Hilferding damit, in der Nachfolger Kautskys eine prägende Figur der Sozialdemokratie zu werden.

Dies lag zum einen daran, dass er sich als Vorstandsmitglied und Minister nicht auf die theoretische Ebene zurückziehen konnte, sondern direkt und personifiziert mit den schwierigen Entscheidungen der Tagespolitik verknüpft war.

Zum anderen hatten sich die Verhältnisse um ihn herum massiv geändert. Eine SPD als staatstragende Partei war etwas anderes als die „negative integrierte“[316] SPD der Kaiserzeit. In jener Zeit, in der Hilferding bei seinem Meister in der Lehre war, konnte Kautsky seine Deutungshoheit durchsetzen und selbst das in den letzten Jahren vor dem Krieg nur noch mit Mühe. In der Weimarer Republik war dergleichen nicht mehr möglich.

In der kurzen Phase zwischen 1924 und 1928 konnte sich Hilferding dennoch als zentraler Theoretiker in der Sozialdemokratie behaupten und sogar die Gewerkschaften auf seine Konzeptionen festlegen. Dies war Kautsky nie gelungen. Diese Konzeptionen basierten, von konkreten politischen und taktischen Aspekten abgesehen, alle auf den im „Finanzkapital“ hergeleiteten Argumentationen, was auch Hilferding selbst immer wieder betonte, und weshalb er auch in allen Reichstagshandbüchern, in denen er vertreten ist, sich als Autor von „Das Finanzkapital“ vorstellte. „Das Finanzkapital“ ist wichtig, um die Programmatik der wiedervereinigten SPD, insbesondere in der Wirtschaftspolitik, in der Weimarer Republik zu verstehen.

Während der Weltwirtschaftskrise verlor Hilferding schnell an Einfluss. Seine Interpretationen, die in der Kaiserzeit geprägt worden waren, schienen den Herausforderungen der Zeit nicht mehr gewachsen und Hilferding wurde zur Seite geschoben. „Hilferdings (…) Krisentheorie ist solid klassisch und damit enttäuschend. Für Keynes Theorie der effektiven Nachfrage ist darin kein Platz, was sich nicht nur als theoretisches Problem erweist, sondern auch dem Finanzminister Hilferding das Erkennen des Nachfrageproblems unmöglich macht.“[317]

In der Folge führte Hilferding nur noch ein Nischendasein in seiner Partei und fühlte sich selbst unwohl darin. Seine zentrale Rolle in der Partei ist eine Episode geblieben.

Im letzten Lebensjahrzehnt begann er langsam eine Revision seiner früheren Theorien. Als Opfer der politischen Veränderungen und mit der Erfahrung von Exil und Verfolgung stellte Hilferding mehr und mehr sämtliche Lebensüberzeugungen in Frage. Durch seine Ermordung durch die Nazis 1941 konnten wir leider nicht mehr Zeugen des Ergebnisses dieses Prozesses werden.

In einem letzten Brief 1941 schrieb Hilferding an Brüning, „daß es getrennt von einer starken religiösen Tradition überhaupt keine soziologische Grundlage für eine Nation und einen Staat geben könnte.“[318] Das zeigt die Veränderungen, die bei Hilferding seit 1933 eingetreten war, aus dem Munde eines Sozialisten, der 1904 seine Religion abgelegt hatte.


[1] Vgl. Kurata (1992) S. 12

[2] Vgl. Kurata (1975) S. 18f

[3] Vgl. Kurata (1992) S. 12f

[4] Vgl. Hamann (1998) S. 112ff, 169ff, 257ff, 337ff, 344ff, 387ff, 467ff,488ff, vgl. Renner (1909), vgl. Streissler (1981), vgl. Schorske (1994)

[5] Somary (1959) S. 24

[6] Vgl. Somary (1959) S. 24f

[7] Vgl. Kurata (1992) S. 18f

[8] Vgl. Kurata (1975) S. 19, zur besonderen Atmosphäre Wiens in dieser Zeit siehe auch Schorske (1994). Man beachte zudem die Nähe von Hilferdings erster Frau Margarethe zu Freud und dessen Nähe zu Viktor Adler, seinerseits Arzt. Man kann an diesen Beispielen das intensive jüdische Leben und dessen Verzweigungen in die Sozialdemokratie erahnen, z.B. List (2006) S. 112, 117ff

[9] Vgl. Wehler (1985) S. 283, vgl. Smaldone (2000) S. 16f, vgl. Smaldone (2009) S. 76

[10] Karl Renner (1870-1950) studierte an der Staatswissenschaftlichen Fakultät in Wien von 1891-1896, über den rechten Flügel der Sozialdemokratie insbesondere im Genossenschaftswesen aktiv, zur Zeit der NS-Herrschaft in Hausarrest, von 1931-1933 erster Präsident der Ersten Republik Österreich und von 1945 – 1950 Bundespräsident

[11] Vgl. Kurata (1975) S. 22f

[12] Max Adler (1873-1937) promovierte 1896 und wurde Rechtsanwalt, Habilitation 1920, danach Professur für Soziologie und Sozialphilosophie an der Universität Wien, Parteitheoretiker der österreichischen Sozialdemokratie, stark vom Neukantianismus geprägt

[13] Vgl. Smaldone (2000) S. 14f

[14] Vgl. Smaldone (2000) S. 22; Otto Bauer, 1881 – 1938, Kommilitone von Hilferding an der Staatswissenschaftlichen Fakultät, im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet, 1919 Außenminister, 1918 – 1934 stellvertretender Parteivorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP)

[15] Vgl. Kurata (1978) S. 26, vgl. Hannak (1965) S. 49

[16] Vgl. Krosigk (1951) S. 80

[17] Vgl. List (2006) S. 105

[18] Carl Grünberg, 1861 – 1940, zu dieser Zeit ordentlicher Professor in Wien, später Leiter des Frankfurter Instituts für Sozialwissenschaften, starke Beeinflussung der Austromarxisten

[19] Friedrich von Wieser, 1851 – 1926, ab 1889 ordentlicher Professor in Wien, Vertreter der österreichischen Schule in der Folge Mengers

[20] Vgl. Kurata (1978) S. 27ff

[21] Vgl. Stockhammer (2008) S. 159

[22] Vgl. Smaldone (2000) S. 20

[23] Vgl. Kurata (1978) S. 29

[24] Siehe Hilferding (1903Sombart)

[25] Vgl. Appel (1987) S. 73, 80

[26] Siehe Hilferding (1903Zucker)

[27] Vgl. Kurata (1981) S. 87ff, Details zur Diskussion um den Imperialismus in der damaligen SPD bei Schröder [Schröder (1975)].

[28] Eugen von Böhm-Bawerk, 1851 – 1914, ab 1881 Professor in Innsbruck, mehrfach in der Verwaltung tätig, dreimaliger Finanzminister, ab 1904 ordentlicher Professor in Wien

[29] IISG, Karl Kautsky Papers, K D XII 580

[30] Vgl. Kurata (1981) S. 68

[31] Vgl. Kurata (1978) S. 29ff

[32] „Die Neue Zeit“ begann im Januar 1883 in Stuttgart, als einziges legales Organ der unter dem Sozialistengesetz verbotenen SPD, die in Form der Reichstagsmitglieder weiter existent blieb. Von Anfang an war Karl Kautsky der verantwortliche Redakteur. Er vertrat – anders als andere sozialistische Zeitschriften – das Ziel, einzig die marxistische Richtung darzustellen und weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich „Die Neue Zeit“ zu dem Magazin, mit dem der historische Materialismus bekannt gemacht wurde und die Grundlagen für den theoretischen Teil des Erfurter Programms von 1891 erarbeitet und gegenüber den anderen Strömungen abgegrenzt wurden. [Vgl. Glicher-Holtey (1986) S. 24, 35ff]

[33] Siehe Hilferding (1902)

[34] Vgl. Smaldone (2000) S. 30f

[35] Gottschalch betont die Notwendigkeit, die Begriffe Massen- und Generalstreik im damaligen Verständnis zu unterscheiden: Unter einem Generalstreik verstand man einen Streik mit dem Ziel der sozialen Revolution, während der Massenstreik als Kampfmittel der Proletarier im bürgerlichen Staat verstanden wurde. [Gottschalch (1962) S. 71]

[36] Vgl. Kurata (1993b) S. 12, vgl. Schorske (1981) S. 57

[37] Vgl. Glicher-Holtey (1986) S. 185ff

[38] Vgl. Schorske (1981) S. 57

[39] Hilferding (1903Generalstreik) S. 21

[40] Hilferding (1903Generalstreik) S. 22

[41] Hilferding (1903Generalstreik) S. 22f

[42] Hilferding im Begleitschreiben des Artikels an Kautsky, zitiert nach Kurata (1979) S. 64, Hilferding wiederholt seine Argumentation in einem Artikel 1905. [vgl. Hilferding (1905Streik)]

[43] Vgl. Schorske (1981) S. 67ff

[44] Vgl. Glicher-Holtey (1986) S. 189

[45] Vgl. Kurata (1979) S. 57

[46] Siehe IILSG Rudolf Hilferding Papers, Briefe von Trotzky

[47] vgl. Wagner (1996) S. 60

[48] Siehe Katchourovskaja (2008)

[49] Vgl. Hullen (2002) S. 100

[50] Eine detaillierte Biographie von Margarethe in List (2006)

[51] Vgl. Kurata (1992) S. 13, 15ff, 26

[52] Vgl. Kurata (1992) S. 24ff

[53] Vgl. Kurata (1979) S. 55; diesen Namen verwendete Hilferding auch als Pseudonym in „Die Neue Zeit“.

[54] Vgl. Kurata (1979) S. 58f

[55] Kautsky schrieb an Victor Adler am 08.12.1904: „Übrigens, was hälst Du von Hilferding? Er ist jetzt an einem Scheideweg angelangt, schwankt ob er sich der praktischen Medizin zuwenden soll oder nicht, und ich weiß nicht, wozu ihm raten. Sicher ist es, daß er ein großes Talent für theoretische Ökonomie hat, einer der Wenigen des Nachwuchses, auf die ich Wert lege (…). Ob Hilferding als Arzt etwas besonderes leisten kann, weiß ich nicht; jedenfalls gibt es auch gute Ärzte in viel größerer Zahl als gute Marxisten. Insofern würde ich es daher mit dem größten Bedauern sehen, wenn er, wie beabsichtigt, einen Kassenarztposten annähme. Denn gleichzeitig als gewissenhafter Arzt und origineller Theoretiker tätig zu sein, halte ich für unmöglich.“ [Kautsky (1904) S. 439]

[56] Also außerhalb der akademischen Institutionen [vgl. Polanyi-Levitt / Mendell (1989) S. 15]

[57] Die meisten Bezugnahmen gehen wohl auf Haberler (1950) zurück.

[58] Vgl. McCraw (2007) S. 45

[59] Vgl. Haberler (1950) S. 337, Somary, Mitarbeiter bei Philippovich, selber erwähnt eine solches Seminar in seinen Erinnerungen nicht, aber er erwähnt Hilferding als Kommilitonen [vgl. Somary (1959) S. 33]

[60] Vgl. Andersen (1991) S. 20

[61] Vgl. Kurata (1979) S. 60

[62] Vgl. Kurata (1993a) S. 51ff

[63] Vgl. SPD (1907) S. 91f

[64] Vgl. Kurata (1993a) S. 57ff

[65] Vgl. SPD (1908) S. 57

[66] Vgl. SPD (1913) S. 34

[67] Vgl. Schorske (1981) S. 151

[68] Vgl. Kurata (1993a) S. 59

[69] Vgl. Smaldone (2000) S. 51f, vgl. Winkler (1974) S. 9

[70] Vgl. Stephan (1982) S. 25f

[71] Vgl. Schorske (1981) S. 306ff

[72] Vgl. Schorske (1981) S. 265ff

[73] Vgl. Kurata (1993a) S. 62ff

[74] Vgl. Kurata (1993) S. 69f

[75] Vgl. Kurata (1993a), Schorske (1981) S. 246ff, Gilcher-Holtey (1986)

[76] Vgl. Schorske (1981) S. 246f

[77] Vgl. Schorske (1981) S. 320

[78] Zitiert nach Kurata (1981) S. 68f

[79] Vgl. Hilferding (1903Zucker) S. 22

[80] vgl. Kurata (1993b) S. 8f

[81] Vgl. Kurata (1981) S. 70f

[82] Vgl. FK S. XLVII

[83] Vgl. Kurata (1993b) S. 7

[84] Vgl. Kurata (1981) S. 75

[85] IISG, Karl Kautsky Papers, K D XII 590

[86] IISG, Karl Kautsky Papers, K D XII 598

[87] zitiert nach Kurata (2009) S. 12

[88] Vgl. Kurata (1993a) S. 64ff

[89] Vgl. FK S. XLVII

[90] Vgl. S. XLVII

[91] Vgl. Wieland (2009) S. 57f

[92] Vgl. Smaldone (2000) S. 78f

[93] Vgl. Stephan (1982) S. 63

[94] Prager (1921) S. 31

[95] Vgl. Gottschalch (1962) S. 17

[96] Vgl. Schueler (2006) S. 287

[97] Vgl. Hilferding (1915Europäer); dies brachte ihm die Kritik u.a. von Karl Renner ein, der ihm vorwarf, ein einseitiges Bekenntnis zur taktischen Richtung Liebknecht-Ströbel abgegeben zu haben. [vgl. Hannak (1965) S. 238]

[98] Vgl. Smaldone (2000) S. 84ff

[99] Vgl. Smaldone (2000) S. 43

[100] Vgl. Kurata (1992) S. 26f

[101] Vgl. Schorske (1981) S. 332ff, 359ff, vgl. Krause (1975) S. 47, vgl. Smaldone (2000) S. 83ff

[102] In einer Auseinandersetzung zwischen Kautsky und Renner 1918 wurde Hilferding von Kautsky als Kronzeuge gegen Renner verwendet, der zudem Kautskys Darstellung in den Marx-Studien veröffentlichte. Das Verhältnis von Hilferding und Kautsky wurde immer enger. [Vgl. Kautsky (1918) S. 145]

[103] Vgl. Smaldone (2000) S. 92ff

[104] Vgl. Krause (1975) S. 94f

[105] Vgl. Kautsky (1918) S. 123

[106] Vgl. Smaldone (2009) S. 85

[107] Vgl. Stein (1946) S. 10; laut Braunthal war er erst im März 1919 Chefredakteur. [vgl. Braunthal (1948) S. 475] Tatsache ist, dass er nicht als verantwortlicher Redakteur in der Zeitung genannt wurde, dies waren zunächst Siegfried Nestriepke und anschließend Alfred Wielepp.

[108] Manche Quellen sagen auch 1919. [z.B. Pfabigan (1997) S. 395] Wahrscheinlicher ist 1920 [vgl. Darity / Horn (1985) S. 363]: Das Jahr ist schwer nachvollziehbar, 1920 passt aber in die politischen Umstände, da Preußen 1920 unter einem SPD-Minister die Regelungen lockerte. Es half, dass Hilferding zuvor lange Zeit in Berlin gelebt hatte. [Vgl. Gosewinkel (2001) S. 353ff]

[109] Hilferding (1918) S. 98

[110] Hilferding (1918) S. 98f

[111] Hilferding (1918) S. 100

[112] Hilferding (1918) S. 105

[113] Vgl. Stephan (1982) S. 96f

[114] Stampfer (1953) S. 77

[115] Vgl. Somary (1959) S. 171

[116] Vgl. Gottschalch (1962) S. 171

[117] Vgl. Smaldone (2000) S. 106ff, weiteres bei Stolper (1994) S. 202ff; interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel von Felix Pinner im Mai 1919, der über ein vertrauliches Papier des Reichswirtschaftsministerium spricht: „Auch gewisse positive Vorschläge des Reichswirtschaftsministeriums, wie zum Beispiel die Schaffung einer Reichsvermögensbank, die sämtliche Unternehmungen und gewerbliche Beteiligungen des Reiches in sich vereinigen und mit Hilfe der Steuergesetzgebung auf ihre Erweiterung hinarbeiten soll, kann man sich im Prinzip zu eigen machen. (…) Wir würden es sogar für zweckdienlich, wenn sie auf noch breiterer Grundlage (…) verwirklicht werden und sozusagen zum Angelpunkt der ganzen Sozialisierung gemacht werden könnten. (…) Die Aufgabe der Reichsvermögensbank, wie sie das Reichswirtschaftsministerium nennt, oder der ‚ ‚gesellschaftlichen Bank’, wie wir sie genannt haben, dürfte nur darin bestehen, sozusagen indirekt durch ihr Beispiel und ihre Kapitalmacht auf das Wirtschaftsleben einzuwirken und dadurch eine wirtschaftpolitische und grossgeschäftliche Kontrolle auf die freigebliebenen Unternehmungen oder Gewerbezweige auszuüben.“ [Pinner (1919)] Hier wird deutlich, wie weit verbreitet Vorstellungen waren, die denen von Hilferding ähnelten.

[118] Euchner (1988) S. 177

[119] Cora (1982) S. 109f

[120] Vgl. Gottschalch (1962) S. 172ff, vgl. Smaldone (2000) S. 112ff

[121] Vgl. Krause (1975) S. 144

[122] Vgl. Smaldone (2000) S. 103

[123] Vgl. Krause (1975) S. 145ff

[124] Vgl. Krause (1975) S. 152f

[125] Vgl. Krause (1975) S. 155ff

[126] Vgl. Krause (1975) S. 212f, Stampfer (1953) S. 211ff; in diese Zeit fällt auch die Hetzschrift von Radek gegen Crispien, Dittmann und Hilferding. Darin wird Hilferding in derben Worten als Feind Sowjetrusslands bezeichnet, der als verkappter Opportunist und, völlig zu Recht, als Kautskyaner bezeichnet wird. Als Chefredakteur der „Freiheit“ habe er dieses Blatt auf nicht-revolutionären Kurs gebracht. [siehe Radek (1920)]

[127] Vgl. Krause (1975) S. 229ff

[128] Vgl. Krause (1975) S. 239

[129] Vgl. Krause (1975) S. 247, 249

[130] Vgl. Smaldone (2000) S. 124f

[131] Vgl. Krause (1975) S. 263ff

[132] Die Notwendigkeit aus den veränderten Bedingungen zu lernen erkannte er schon 1915, erbat sich dafür aber Zeit. [vgl. Hilferding (1915Notwendigkeit) S. 207]

[133] Vgl. Smaldone (2000) S. 112, vgl. Howard / King (1988) S. 410ff

[134] Vgl. Wagner (1996) S. 102

[135] Vgl. Kamijo (1978) S. 35f

[136] Siehe Kautsky (1918)

[137] Gottschalch (1962) S. 197

[138] Vgl. Krüger (1983) S. 82ff

[139] Vgl. Krüger (1983) S. 158ff

[140] Vgl. Krüger (1983) S. 220

[141] Vgl. Smaldone (2000) S. 84ff

[142] Vgl. Krüger (1983) S. 216f

[143] Thimme / Legien (1915) S. III

[144] Siehe Hilferding (1915Krieg)

[145] Hilferding (1915) S. 65

[146] Hilferding (1915) S. 65

[147] Hilferding (1915) S. 66

[148] Hilferding (1915) S. 66

[149] Hilferding (1915) S. 66

[150] Hilferding (1915) S. 70

[151] Kamijo (1978) S. 37

[152] Hilferding (1921) S. III

[153] Vgl. Kamijo (1978) S. 37

[154] Vgl. Hozumi (2004) S. 66

[155] Vgl. Hozumi (2004) S. 56

[156] Hozumi (2004) S. 62

[157] SPD (1927) S. 168

[158] SPD (1927) S. 168

[159] Vgl. Smaldone (2000) S. 146f für Sombart und Ritschl, zusätzliche ließe sich aber auch Rathenau (1918) mit „Die neue Wirtschaft“ und Keynes mit “The End of Laissez-Faire“ aus dem Jahr 1926 erwähnen.

[160] Vgl. Petzina (2000) S. 46

[161] Vgl. Naphthali (1928) S. 3

[162] Vgl. Naphthali (1928) S. 11; eine genaue Auseinandersetzung mit der Genese und den Unterschieden in den Wirtschaftsdemokratie-Verständnissen und Hilferdings Rolle findet sich in Heupel (1981) S. 37ff

[163] Vgl. Winkler (1974) S. 13, Krüger (1983) S. 158 nennt noch Goldscheid und Jaffé, Könke (1987) S. 97f sieht auch anglo-amerikanische Einflüsse.

[164] Naphthali (1928) S. 10

[165] Haupt (1982) S. 57

[166] Beispiele: Zoninsein (1990) S. 120 sieht nur in der Krisentheorie und beim Imperialismus Kontinuitäten; James (1981) S. 856 betont die Fundierung beider Konzepte in der Geld- und Kartelltheorie; ähnlich Oelßner (1947) S. XXXIII, der die Begriffe „Zentralbank“ und „Generalkartell“ betont; für Kim (1999) S. 134 ist es sogar nur eine Konkretisierung des Finanzkapitals; Pugh (1983) S. 364 spricht von einer Transition aus den Positionen des Finanzkapitals heraus in die Rolle und Theorie des „Organisierten Kapitalismus“.

[167] Vgl. Könke (1987) S. 62f, siehe dazu auch Aulbach (1976)

[168] Vgl. Könke (1987) S. 63

[169] Stephan (1974) S. 137f

[170] Smaldone (2000) S. 133

[171] Vgl. Smaldone (2000) S. 143f

[172] Vgl. Hilferding (1931) S. 20ff; dieser Vortrag ist auch als Kurzzusammenfassung des Autors selbst zu empfehlen, auch da er sprachlich nicht so nah am marxistischen Stil orientiert ist.

[173] Vgl. Gottschalch (1962) S. 196

[174] Hilferding (1931) S. 36

[175] Eine beratende Körperschaft, die sich mit der Ausarbeitung wirtschaftlicher und sozialpolitischer Gesetzesvorlagen befasste

[176] Vgl. Smaldone (2000) S. 154

[177] Vgl. Sozialisierungskommission (1921) S. 1, 2. Kammer in Preußen

[178] Vgl. Smaldone (2000) S. 154f; er berichtet davon 1922 in Schmollers Jahrbuch. [siehe Hilferding (1922)]

[179] Vgl. Kessler (1961) S. 295

[180] Vgl. Smaldone (2000) S. 129f

[181] Vgl. Reichstagshandbücher (1924)

[182] Vgl. Krause (1975) S. 174f, 324

[183] Vgl. Reichstagshandbücher (1924)

[184] Vgl. Jäckh (1930) S. 130

[185] Vgl. Weber (2010) S. 673

[186] Vgl. Vogt (1978) S. 128

[187] Vgl. Vogt (1978); darin eine detaillierte Beschreibung der kurzen Amtszeit.

[188] Möller (1971) S. 12

[189] Vgl. Smaldone (2000) S. 159

[190] Vgl. Kopper (2006) S. 67f

[191] Vgl. James (1981) S. 859f

[192] Vgl. Möller (1971) S. 13f

[193] Karl Theodor Helfferich (1872 – 1924), Studium in Straßburg, Habilitation 1899, 1904 in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, 1906 Direktor der Deutschen Bank, 1916 Staatssekretär im Reichsschatzamt und Vizekanzler; musste auf Druck der Parlamentsmehrheit 1917 zurücktreten. Führender Politiker der DNVP, hetzte gegen Rathenau, Erzberger und Wirth. Helfferich war für die Kriegsfinanzierung – und damit der Ursache der Inflation – zuständig gewesen, gegen die Hilferding ja bereits 1914 protestiert hatte.

[194] Vgl. Kopper (2006) S. 66

[195] Vgl. James (1981) S. 858

[196] Vgl. Möller (1971) S. 14f

[197] Vgl. Smaldone (2000) S. 159

[198] Vgl. Kopper (2006) S. 70

[199] Friedrich Stampfer (1874 – 1957), Studium in Wien, seit 1902 als Redakteur in Berlin, von 1916 bis zum Verbot 1933 Chefredakteur des „Vorwärts“, gab im Exil den „Neuen Vorwärts“ heraus, kehrte 1948 nach Deutschland zurück.

[200] Vgl. Stampfer (1953) S. 351f, zum Gesamtprozess siehe Krohn (1975), zur Zusammenarbeit mit Raumer siehe Maier (1975) S. 300f

[203] Eine Anlehnung an die von Martin Buber herausgegebene Reihe mit dem Titel „Die Gesellschaft“, die Hilferding 1907 rezensiert hatte [siehe Hilferding (1907Gesellschaft)], ist möglich; ebenso wie ein Bezug zu Heinrich Brauns Zeitschrift „Die Neue Gesellschaft“ (ohne das programmatische „neu“), die von 1905 bis 1907 erschienen war. Auch eine Anlehnung an den Gesellschaftsbegriff von Tönnies ist nicht auszuschließen.

[204] Vgl. Schorske (1981) S. 416f; 1925 hatte sie eine Auflage von ca. 4.500 Exemplaren. [vgl. Kremp (1993) S. 356]

[205] Vgl. Smaldone (2000) S. 46

[206] Vgl. Kautsky (1924) S. 17, 27; ein Artikel aus dem Jahr 1964 stellt auch eine Verbindung zur „Neuen Gesellschaft“ (Theoriezeitschrift der Friedrich-Ebert-Stiftung) her. [vgl. Inselmann (1964) und Oschilewski (1977) S. 633] Mit Alexander Schifrin und Georg Decker waren zwei enge Mitarbeiter Russischstämmige. [vgl. Schöler (2007) S. 70ff, vgl. Scholing (1988)]

[207] Vgl. Hilferding (1924) S. 3ff

[208] Vgl. Smaldone (2000) S. 178

[209] Vgl. Smaldone (2000) S. 175ff

[210] SPD (1925) S. 5

[211] Winkler (1985) S. 326

[212] Vgl. Winkler (1985) S. 326f

[213] Vgl. Brüning (1970) S. 115

[214] Vgl. Brüning (1970) S. 11

[215] Vgl. Kaesler (2008) S. 590

[216] Vgl. Verhandlungen des Reichstags (1927) S. 10591ff; interessant ist z.B. folgendes Detail, das Hilferding in einer Reichstagsrede anführt: „Schaltanlagen zum Minimaltarif 1 Stück, bitte: 1 Stück! Das regelt ein Handelsvertrag. Die Einfuhr eines Stückes (…) für die Burchbacher Hütte (…) wird also geregelt. Zweierlei ist dabei interessant. Undenkbar wäre überhaupt der Abschluß solcher unter dem Zustand der freien Konkurrenz. Sie können nicht ein Stück irgendeiner Ware einführen lassen, wenn freie Konkurrenz herrscht. Weil natürlich die deutschen Fabriken untereinander sich dann um die Ware raufen würden. Das zeigt, daß das eine Regelung ist, die nur denkbar ist in einer organisierten Wirtschaft, bei einem fortgeschrittenem Zustand der Kartellierung und Vetrustung, wo die Trusts und Kartelle sich diese Lieferungen gegenseitig vereinbaren. Es zeigt wieder, wie innig heute die Durchdringung zwischen Staat und Wirtschaft ist und was für eine Heuchelei es ist, wenn diese Kartelle und diese Trusts nun anfangen, gegen die Einwirkung des Staates und der Wirtschaft Sturm zu laufen.“ [Verhandlungen des Reichtags (1927) S. 10592]

[217] Naphtali (1926) S. 458

[218] Vgl. Ausschuss (1927) S. 14

[219] Vgl. Ausschuss (1927) S. 61

[220] Vgl. Hilferding (1926VfS) S. 113

[221] Vgl. SPD (1927) S. 168ff

[222] Vgl. SPD (1927) S. 184ff

[223] Vgl. Smaldone (2000) S. 190

[224] Zu Hilferdings Finanzpolitik in dieser Zeit siehe ausführlich Maurer (1973)

[225] Vgl. James (1981) S. 861ff, ähnlich Krosigk (1951) S. 81ff

[226] Vgl. Möller (1971) S. 20

[227] Möller (1971) S. 23

[229] Vgl. James (1981) S. 861ff, ähnlich Krosigk (1951) S. 81ff

[230] Vgl. Möller (1971) S. 24

[232] Im Detail Hohberg (1932) S. 12ff

[233] Vgl. Pohl (2007)

[234] Vgl. Gottschalch (1962) S. 16

[235] Vgl. Smaldone (1994) S. 101

[236] Vgl. Deppe (1999) S. 306

[237] beginnend mit Jahrgang 1, Nr. 1, S. 3 – 9; also praktisch der erste Artikel, der die Zeitschrift programmatisch gegen die Hilferdingsche Theorie ausrichten sollte. [siehe Adler (1927)]

[238] Kommunistische Reichstagsfraktion (1929) S. 3f

[239] Vgl. Kommunistische Reichstagsfraktion (1929) S. 15

[240] Vgl. Bang (1929) S. 4, 8, 11, 12

[241] Vgl. Möller (1971) S. 27f

[242] Vgl. Smaldone (2000) S. 192ff, vgl. Winkler (1985) S. 741ff

[243] Vgl. Kopper (2006) S. 164f, vgl. Stampfer (1953) S. 558, vgl. Krosigk (1951) S. 83

[244] Vgl. Kopper (2006) S. 168

[245] Vgl. James (1981) S. 864; die gesamte Phase von 1930 bis 1933 wird von Winkler ausführlich aus der Sicht von Hilferding nachgezeichnet. [vgl. Winkler (1994)]

[246] Vgl. Smaldone (2009) S. 92

[247] Vgl. Brüning (1970) S. 110, 115, 495, 519, vgl. Volkmann (2007) S. 248, 556

[248] Vgl. Smaldone (2000) S. 205, 207

[249] Vgl. Pünder (1931)

[250] Vgl. Brüning (1970) S. 122,127, 133

[251] Vgl. Möller (1971) S. 31

[252] Vgl. Brüning (1970) S. 316ff

[253] Vgl. Kurotaki (1986) S. 140ff

[254] Winkler (1994) S. 137f

[255] Vgl. Winkler (1994) S. 138

[256] Vgl. James (1981) S. 865ff

[257] SPD (1931) S. 38f; theoretisch später ausgeführt in Mandel (1970) S. 448f

[258] Hilferding (1931Macht) S. 250

[259] Hilferding (1931Macht) S. 258f

[260] Vgl. Schmidt (2000) S. 68

[261] Hilferding ergänzt: „Wir haben während der Krise eines sehr deutlich in allen Ländern gesehen: Der Zusammenbruch einer Großbank ist nicht mehr möglich; jede Großbank, ob sie schon bankrott gemacht hat, ob sie bankrott machen wird oder ob sie diesen Bankrott gerade noch vermeidet, hat heute hinter sich die Staatsgarantie (…). Die Banken sind heute in Privatbesitz, sie verwalten aber das Vermögen der Nation und sie haben die Garantie der Nation, und deshalb ist es unerträglich geworden, die Banken ganz der Willkür der privaten Wirtschaft zu überlassen. Und deshalb ist es notwendig, die Bankenpolitik zu regulieren.“ [Hilferding (1931Macht) S. 264] Diese Diskussion kenn wir heute unter dem Schlagwort des „too-big-to-fail“.

[262] Vgl. Hilferding (1909Pol) S. 79

[263] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 83f; auch direkt im Reichstag vgl. Verhandlungen des Reichstags (1932) S. 2632

[264] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 82

[265] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 87

[266] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 271f

[267] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 272ff

[268] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 282f

[269] Vgl. Borchardt / Schötz (1991) S. 278, 280f, vgl. Schefold (2004) S. 909

[270] Vgl. Smaldone (2009) S. 74

[271] Vgl. Smaldone (2000) S. 151ff, vgl. Winkler (1994) S. 139, Deppe (1999) S. 316

[272] Vgl. Brüning (1970) S. 660; er half ihm auch später während der Flucht. [vgl. Volkmann (2007) S. 357ff]

[273] Vgl. Gottschalch (1962) S. 26f

[274] Siehe Hilferding (1903Generalstreik)

[275] Vgl. Kessler (1961) S. 709

[276] Vgl. Winkler (1994) S. 149

[277] Zu Hilferdings Rolle und Positionen in der „Sopade“ siehe auch Schilmar (2004). Oftmals wird behauptet, dass Hilferding im Exilvorstand der Sopade gewesen sei, was jedoch nicht stimmt nicht. Er war zwar im intensiven Kontakt mit dem Vorstand, insbesondere wegen dem neuen Theorieorgan „Zeitschrift für Sozialismus“, aber nicht im Vorstand selbst und wurde auch nicht kooptiert. [Vgl. Obenhaus / Schmid (1995) insbesondere S. XIXf und XXXVIIf]

[278] Vgl. Smaldone (2000) S. 218ff

[279] Vgl. Smaldone (2000) S. 235ff, vgl. Jasper (1985) S. 65f

[280] Vgl. Smaldone (2000) S. 242ff

[281] Rudolf Breitscheid, 1874 – 1944, Nationalökonom, bis 1912 in bürgerlichen Parteien, dann in der SPD und USPD, ab 1920 im Reichstag, emigrierte 1933.

[282] Dies geschah auf Basis des Waffenstillstandsabkommens zwischen dem Deutschen Reich und Vichy-Frankreich. Danach war Frankreich grundsätzlich verpflichtet, auf Verlangen namhaft gemachte Personen auszuliefern [vgl. Delacor (1999) S. 217ff]. Der Abschluss des Vertrages am 22.06.1940 löste insbesondere unter Kommunisten Panik aus. [vgl. Delacor (1999) S. 222]

[283] Diese Erklärung basiert auf einem Augenzeugen. [vgl. Delacor (1999) S. 240] Zur Diskussion um die Todesurache siehe auch: Kurotaki (1984), Kersten (1958)

[284] Vgl. Kurata (1992) S. 27, vgl. Smaldone (2000) S. 253ff, eine detaillierte Darstellung in Delacor (1999) S. 227ff

[285] Vgl. List (2006Freud) S. 25, vgl. Kurata (1992) S. 27

[286] Vgl. List (2006) S. 150

[287] Vgl. List (2006) S. 110

[288] Vgl. List (2006) S. 113

[289] Vgl. Hullen (2002) S. 102f

[290] Vgl. Hullen (2002) S. 103f

[291] Vgl. Hullen (2002) S. 99

[292] Vgl. Hullen (2002) S. 104f

[293] Vgl. Hullen (2002) S. 105ff

[294] Hilferding (1934Monopol)

[295] Hilferding (1933)

[296] Hilferding (1936) Beilage 1

[297] Vgl. Smaldone (2000) S. 238f

[298] Vgl. Cora (1982) S. 297

[299] Vgl. Behring (2007)

[300] Vgl. Liebich (1987), vgl. Linden (2007) S. 89ff

[301] Hilferding (1940Total) S. 294f

[302] Hilferding (1940Total) S. 295f

[303] Zur Diskussion um Hilferdings Theorien nach 1933 siehe auch Barclay (2002).

[304] Vgl. Smaldone (2000) S. 256ff

[305] Vgl. James (1981) S. 858

[306] Hilferding (1940) S. 299

[307] Hilferding (1940) S. 299

[308] Hilferding (1940) S. 300

[309] Hilferding (1940) S. 297f

[310] Vgl. Smaldone (2000) S. 11f, vgl. Gottschalch (1962) S. 262

[311] Vgl. Smaldone (2000) S. 82ff, 124f

[312] Hilferding (1924) S. 9

[313] Hübinger (2006) S. 207

[314] Gottschalch (1962) S. 194

[315] Vgl. James (1981) S. 848

[316] Siehe Groh (1974)

[317] Pirker / Stockhammer (2006) S. 34

[318] Brüning (1970) S. 116